Wo die Saz von der Decke baumelt

Die Gründer Malte Stueck (34), seine Frau Nigün Aksoy (34) und Benjamin Stueck (32, v.l.) mit der beliebten Saz (persisch für Instrument). Sie haben keine standardisierte Form und unterscheiden sich je nach Region. (Foto: ap)

Einzigartig in Hamburg: Die Schule für anatolische Musik in der Sternschanze

Von Aimee Polzin, Sternschanze – Exotische Instrumente, folkloristische Wandteppiche, der Duft von frisch aufgebrühtem Tee: Ein Hauch von Orient ist zu spüren, wenn man die „Schule für Anatolische Musik“ in der Sternschanze betritt. Acht Lehrer unterrichten hier derzeit rund 80 bis 90 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Musikschule bietet professionellen Unterricht auf typisch orientalischen Instrumenten an – das ist einmalig in Hamburg.
Besonders beliebt ist die Saz, ein Musikinstrument, das einer Gitarre ähnelt. Es wird hauptsächlich mit den Fingern gezupft und besteht aus sechs bis sieben Saiten. Rund ein Jahr dauert es, bis man einige Stücke darauf spielen kann. Auch Menschen, die ihre Stimme trainieren wollen, sind hier richtig. Anfänger und Fortgeschrittene lernen die anatolische Volks- und Kunstmusik kennen. Für Ohren, die nur an westliche Musik gewöhnt sind, sind diese Klänge anfangs irritierend. Ein anderer Rhythmus, eine andere Begleitung.
Benjamin und Malte Stueck (32, 34) und Maltes Frau Nigün Aksoy (34) eröffneten die Musikschule vor knapp zwei Jahren. Der Standort in der Sternschanze war Zufall, doch die zentrale Lage entpuppte sich als Vorteil: „Oft kommen Leute einfach herein und fragen nach. In anderen Stadtteilen wäre das vielleicht nicht so.“ Zu den Unterrichtsstunden kommen auch Menschen ohne anatolische Wurzeln, die meisten Schüler stammen allerdings aus türkischen und kurdischen Familien.
Wichtig war den Gründern allerdings, dass es auch Unterricht auf Deutsch gibt. Geübt werden Lieder aus unterschiedlichen Epochen. Während die Texte häufig aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen, wurde die Melodie „durch viele Jahrhunderte geschliffen“, so die Lehrer.
– Am Sonntag, 22. April, gibt die Musikschule ein öffentliches Konzert. Es beginnt um 16 Uhr in der Aula der Ganztagsgrundschule Sternschanze, Altonaer Straße 38. Eintritt: drei Euro. Weitere Informationen unter 51 90 11 79.

Die Gründer:
Die beiden Brüder Benjamin und Malte Stueck (32, 34) kommen aus einem musikalischen Haushalt. Der Vater spielte Weltmusik. Auch griechische Freunde, deren Musik der anatolischen ähnelt, beeinflussten das Duo. Und dann ergänzten die „Klänge aus türkischen Obst- und Gemüseläden“ den Eindruck, wie die beiden erzählen. Obwohl die Brüder zunächst Zweifel hatten, mit dieser Musik Geld zu verdienen, entschieden sie sich dafür, in Paris und in Rotterdam Türkische Volksmusik zu studieren. Sie sammelten Erfahrungen in Musikschulen, kamen vor viereinhalb Jahren nach Hamburg und boten hier zunächst einen Saz-Kurs in Osdorf an. Außer an ihrer eigenen „Schule für Anatolische Musik“ unterrichten beide heute noch in weiteren Schulen. Von der Stadt gibt es keine finanzielle Unterstützung.
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