Wird der Raubmord von Lokstedt aufgeklärt?

(Foto: Susann von Wolffersdorff / pixelio.de)

Musikmanager wurde 1993 ermordet – nun läuft der Prozess

Reinhard Schwarz, Lokstedt – Der Angeklagte schweigt. Marian C., ein hagerer 42-Jähriger mit kurzem Haar und kariertem Hemd, sitzt neben seinem Anwalt. Dieser erklärt, sein Mandant werde „keine Einlassungen zur Sache machen“. Scheinbar interessiert verfolgt C. das Geschehen vor Gericht, eine Dolmetscherin sitzt neben ihm, um im Bedarfsfall zu übersetzen.
Der Rumäne Marian C. ist angeklagt, vor 19 Jahren den damals 49-jährigen, gut situierten Musikmanager Roland Sch. in dessen Wohnung in der Platanenallee in Lokstedt ermordet und beraubt zu haben. Sch. wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1993 in seiner Wohnung tot aufgefunden. Die Leiche war nackt, an Füßen und Armen gefesselt, mit einem Knebel im Mund. Sch. starb nach Erkenntnissen der Gerichtsmedizin nicht durch körperliche Gewalt, wie etwa brutale Tritte gegen Kopf und Oberkörper, sondern durch Ersticken.
Das Opfer hatte seinen späteren Mörder offenbar selbst eingelassen. Sch. verkehrte häufig im Strichermilieu, lernte einige seiner Sexualpartner am Hauptbahnhof kennen. Einer dieser Strichjungen wurde ihm offenbar zum Verhängnis. Der Täter raubte Bargeld, eine Cartier-Uhr im Wert von 11.000 Euro sowie technische Geräte wie CD-Player, Walkman und Spiegelreflexkamera. Zunächst waren zwei Tatverdächtige gefasst worden, einer von ihnen hatte sich in Frankfurt damit gebrüstet, jemanden „platt gemacht“ zu haben. Der Tipp dazu kam aus dem Strichermilieu. Doch die vermeintlichen Täter mussten bald wieder frei gelassen werden, weil ihnen die Tat nicht nachgewiesen werden konnte. Seitdem tappte die Polizei im Dunkeln.
Der Zufall half den Ermittlern nach 19 Jahren wieder auf die Spur. Am 10. April 2012 wurde Marian C. in der Schweiz wegen des Verdachts der Geldwäsche festgenommen. Ein Abgleich mit der DNA-Datenbank des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden ergab einen Treffer. Denn mittlerweile konnten die Ermittler neue DNA-Spuren zum Lokstedter Mord auswerten, die mit der DNA des Rumänen übereinstimmten. Am 22. Juni 2012 wurde C. den deutschen Behörden überstellt. Der Prozess wird fortgesetzt.
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