„Wir leben hier wie im Paradies“

Hanna Esslinger und Dieter Benckert gehören zu den Gründungsmitgliedern des Wohnprojektes WP 13 in der Telemannstraße. (Foto: Foto: jve)

18 Wohnungen für 36 Personen: Wohnprojekt Telemannstraße funktioniert seit 13 Jahren

Von Julia Vellguth

Auch wenn es über die Entstehung des Namens verschiedene Versionen gibt, ist eines sicher: Das Wohnprojekt WP 13 in der Telemannstraße bfindet sich 2016 im 13. Jahr seines Bestehens. Zurzeit leben hier 36 Personen im Alter von vier bis 82 Jahren.
Von der Idee bis zur Realisierung gingen fast zehn Jahre ins Land. Es war weitsichtig von Hanna Esslinger und ihren vier Mitstreitern, sich schon mit Anfang Fünfzig über das Leben im Alter Gedanken zu machen. „Wir wollten nicht im Altenheim leben, aber auch nicht isoliert in Einzelwohnungen“,
erinnert sich die 79-Jährige. Ihre Idee von einem Mehrgenerationenhaus in zentraler Lage nahm Anfang der neunziger Jahre Gestalt an.

Passivhaus mit 18 Wohnungen
Zahlreiche Behördenkontakte später wurde den Initiatoren das Grundstück in der Telemannstraße angeboten. Sodann begann die Suche nach Interessenten verschiedener Generationen. So stieß auch der zweifache Vater Dieter Benckert (49) zu der Gruppe. Unter dem Dach der Baugenossenschaft Schanze eG entstand ein Passivhaus mit 18 Wohnungen, Gemeinschaftsraum, Garten, Fahrstuhl und Tiefgarage. Die Kosten für den öffentlich geförderten Mietwohnungsbau, gut drei Millionen Euro, wurden solidarisch finanziert. Dieter Benckert und
Familie zogen 2003 als erste nach 15 Monaten Bauzeit ein, fast alle Gründungsmitglieder sind noch da.

Leben im WP 13 ist ruhiger geworden
Nach zwölf Jahren hat sich das Leben im WP 13 verändert. Es ist ruhiger geworden, zumal viele Kinder jetzt groß sind. Zwar wird in dem selbstverwalteten Projekt alles im Plenum besprochen, doch die Treffen sind seltener geworden. „Die
ältere Generation ist ehrenamtlich sehr engagiert, und die mittlere ist im Arbeitsstress“, erklärt Benckert.
Trotzdem wird die Gemeinschaft groß geschrieben. Es gibt gemeinsame Wochenendausflüge und Feste, verschiedene Arbeitsgruppen, und gegenseitige Hilfe ist selbstverständlich. Notarzt Dieter Benckert gibt schon mal ärztlichen Rat, eine ehemalige Lehrerin gibt Nachhilfe, eine andere Flötenunterricht. Dieter Benckert sieht das Projekt als goldene Mitte zwischen Mietshaus und Kommune: „Die soziale Kontrolle ist groß, aber wenn sie niemand ausnutzt, ist es gut so.“ Trotz Privatsphäre achte man mehr aufeinander. „Im Vergleich zu jedem Mietshaus leben wir wie im Paradies“, so Benckert.
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