Wie sich das Schulterblatt veränderte

Auf der Piazza am Schulterblatt sitzen bei gutem Wetter hunderte Menschen draußen vor Cafés, Bars und Restaurants. Anwohner sehnen die kalte Jahreszeit herbei, dann wird es ruhiger. (Foto: archiv/cvs)
Hamburg: Schulterblatt |

Wo einst Hafenarbeiter wohnten, feiern heute Touristen

Fritz Schenkel, Sternschanze

Viele Anwohner des Schulterblatts, der „Hauptstraße“ des Schanzenviertels, sehnen mittlerweile die nasse und dunkle Jahreszeit herbei. Der nächtliche Trubel vor den Kneipen und Cafés reduziert sich dann für einige Monate auf ein für sie erträgliches Maß.
Nachdem 1992 der erste Planungsversuch gescheitert war, wurde 2002 die Umgestaltung der Straße in Angriff genommen. Vor allem die „Piazza“ gegenüber der Roten Flora veränderte das Gesicht der Straße nachhaltig. Bei entsprechendem Wetter bevölkern häufig Hunderte den nur zweihundert Meter langen „Boulevard“. Nicht nur die hamburgische „Sehen-Und-Gesehen-Werden-Szene“ trifft sich hier, auch viele Tou-risten sind auf der Suche nach den in ihren Reiseführern angepriesenen Ört- lichkeiten.
Das ist der vorerst letzte in einer Reihe von Wandlungsprozessen, die die Straße durchlaufen hat. Einst Wohnstraße von Hafenarbeitern und Walfängern, von zugezogenen hamburgischen Juden, gutbürgerliches Vergnügungsviertel, Ziel alliierter Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Später wurde sie Geschäftsstraße, in der man vom Aal bis zur Zahnbürste alles kaufen konnte.
Dann begann der Zuzug vieler Migranten in ein heruntergekommenes Viertel, es bildete sich ein linksalternatives Milieu mit einer alternativen Vergnügungsmeile. Dieser Wandel ging einher mit der Verdrängung von Handwerk und produzierendem Gewerbe durch Medienunternehmen, Werbe-agenturen und Internetfirmen. Schließlich etablierte sich das Schulterblatt wie das Schanzenviertel insgesamt als weicher Standortfaktor und touristische Attraktion.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.