Wie Religionen voneinander lernen können

Die 1912 im romanischen Stil errichtete Jerusalemkirche steht unter Denkmalschutz. Fot: cvs

Die Jerusalemkirche an der Schäferkampsallee setzt sich für den christlich-jüdischen Dialog ein

Von Christopher von Savigny, Eimsbüttel – Hier das Kreuz, dort der siebenarmige Leuchter: Zwei der wichtigsten Symbole der christlichen und der jüdischen Religion – vereint im Altarraum der Jerusalemkirche. In mancherlei Hinsicht nimmt das knapp 100 Jahre alte Gotteshaus an der Schäferkampsallee eine Sonderstellung unter den Hamburger Kirchen ein. Es steht für den Dialog zwischen Christen- und Judentum. „Unser Ziel ist eine Begegnung auf Augenhöhe“, sagt Pastor Hans-Christoph Goßmann.
Seit rund 65 Jahren bemüht sich die Eimsbütteler Gemeinde um ein besseres Verständnis zwischen den beiden großen Religionen. Dazu gehören Vorträge und Pre-digtreihen zu alttestamentarischen Themen, auch Studienreisen zählen dazu. Die vor zwei Jahren gegründete Jerusalem-Akademie, die direkt neben der Kirche liegt, veranstaltet Thementage und lädt jüdische Gäste zur Dis-kussion ein. Wöchentliche Bibelstunden haben eine lange Tradition in der Gemeinde. Pastor Goßmann möchte seine Zuhörer für das Alte Testament, die den Kern der jüdischen Religionsschrift ausmacht, begeistern. „Ohne das Alte kann man das Neue Testament gar nicht verstehen“, findet Goßmann, der nach dem Abitur einige Monate lang in einem israelischen Kibbuz arbeitete.
Dabei hatte die Mitte des 19. Jahrhunderts von irischen Protestanten gegründete Jerusalemkirche ursprünglich eine ganz andere Aufgabe: Sie sollte auswandernde Juden vom Übertritt zum Christentum überzeugen – als „Gegenleistung“ erhielten diese Menschen, die überwiegend aus Osteuropa kamen, Arbeit und Unterkunft. „Es war das Zeitalter der Mission“, sagt Goßmann. Regelrechte „Missionsgesellschaften“, die allerorts aus dem Boden wuchsen, hatten es sich zum Ziel gemacht, die Anhänger Zions zu frommen Christen zu bekehren.
Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Vorzeichen geändert hatten, war die Jerusalemkirche eine der ersten, die Versöhnungsarbeit leistete.

Kein eigenständiger Pfarrbezirk
Die Jerusalemkirche hat keinen eigenständigen Pfarrbezirk und ist mit gerade mal 105 Mitgliedern eine der kleinsten Gemeinden in Hamburg. „Wir müssen mit spitzer Feder rechnen“, sagt Goßmann. Finanziert wird die Gemeindearbeit über Vermietungseinnahmen und einen kleinen Beitrag der Nordelbischen Kirche. Das ursprünglich zur Kirche gehörende Diakoniewerk sowie das Krankenhaus wurden verkauft.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.