Wie eng wird es zwischen den Blocks?

In die Jahre gekommen, aber luftig und grün: Das Eisenbahnerviertel, hier der Krumme Kamp. (Foto: google maps)
 
Mit dem optischen Charme der 1970er-Jahre: Laden an der Ecke Alpenrosenweg/ Redingskamp. (Foto: Google Maps)

Nachverdichtung: Im Eisenbahnerviertel will Vonovia bis zu 400 neue Wohnungen bauen

Von Gaby Pöpleu

Noch wohnt man im Eisenbahnerviertel recht beschaulich mit viel Grün zwischen den Wohnblocks. Das könnte sich bald ändern: Bis zu 400 neue Wohnungen sollen zwischen den vorhandenen Häusern entstehen.

Derzeit gibts im Eisenbahnervietel 608 Wohnungen, verteilt auf 39 Häuser, die durchweg in den 1960er- und 1970er-Jahren nach dem damaligen städtebaulichen Leitbild „aufgelockerte Stadt“ gebaut wurden, das heißt: Es gibt relativ großen Grünflächen um die bis zu zehngeschossigen Wohnblocks. Kleine Wohnungen und große mit vier oder mehr Zimmern gibt es dagegen kaum. Deshalb möchte das Wohnungsunternehmen Vonovia, dem die Blocks gehören, „den Bestand zeitgemäß entwickeln und behutsam nachverdichten.“ Das Ziel: mehr für Senioren geeignete kleine Wohnungen, mehr Wohnfläche für Familien.
Allerdings sollen die alten Häuser nicht umgebaut werden, sondern Vonovia möchte neue Häuser zwischen die alten bauen. Zunächst war die Rede von 200 bis 300 Wohnungen, derzeit wird aber offenbar an den Bau von 400 Wohnungen gedacht. Garagenhöfe, Vonovia-Betriebshof, Waschhaus und Supermarkt seien „nicht erhaltenswert“ und könnten bebaut werden, sagt Vonovia-Sprecherin Bettina Benner. Dafür könnte ein Kindergarten für bis zu 80 Kinder gebaut werden.

Erst den Wettbewerb
abwarten


Was genau geplant ist, ist dennoch unklar. Erst muss ein „städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb“ bis Dezember über die Bühne gehen. Auch Bedenken und Ängste der Anwohner – fehlende Parkplätze, zehngeschossige Blocks, zu wenig Schulen – sollen dort einfließen. Die Neubauten sollen so eingefügt werden, „dass die Bewohner sie (...) nicht als Verschlechterung wahrnehmen“, so Benner. Mit dem Baubeginn sei nicht vor Mitte 2018 zu rechnen.
Doch bis dahin sind noch planungsrechtliche Hürden zu überwinden: Die Bebauungspläne (B-Pläne) aus den Jahren 1952, 1969 und 1989 sind überholt, gelten jeweils nur für Teile des Eisenbahnerviertels. Es
müsste ein neuer B-Plan her.
Vonovia möchte aber am
liebsten mittels „Paragraf-34-Bereiung“ ein zeitraubendes und aufwändiges B-Planverfahren vermeiden.

Um das zu verhindern, reichte die Eimsbütteler CDU einen Antrag auf einen neuen B-Plan für das Eisenbahnerviertel im Bezirk ein. „Im Bezirk Eimsbüttel wurden bereits für weitaus kleinerer Projekte Bebauungspläne erstellt“, erinnert Fraktionsvorsitzende Rüdiger Kuhn. Bis Januar liegt der Antrag aber auf Eis im Planungsausschuss: Die Ortspolitiker wollen erst das Ergebnis des Wettbewerbs abwarten.

„Paragraf 34-Befreiung“:
Der Paragraf 34 Baugesetzbuch legt fest, wo und wie in deutschen Städten gebaut werden darf, wenn es keinen Bebauungsplan (B-Plan) gibt. Das Bauamt prüft dann nur, ob sich das Bauvorhaben in die „nähere Umgebung einfügt“. Streit gibt es aber oft darüber, was mit „einfügen“ und „nähere Umgebung“ gemeint ist.
Einen neuen B-Plan aufzustellen, dauert meist lange und ist sehr aufwändig. Mittels Befreiung nach Paragraf 34 Baugesetzbuch kann ohne Bürgerbeteiligung gebaut werden. Klagerechte, zum Beispiel von Anwohnern, würden dann ausgeschlossen.
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