Wie ein Stadtteil hilft

Im rappelvollen Knust fanden sich am Sonnabend spontan gut ein Dutzend Arbeitsgruppen zusammen, die Hilfe für die Flüchtlinge organisieren wollen. (Foto: pr)

Anwohner aus St. Pauli organisieren in Eigeninitiative Unterstützung für die Flüchtlinge in den Messehallen

„Willkommen im Karolinenviertel“: Diese Botschaft senden Aktive des Stadtteils an die Flüchtlinge in den Messehallen – und an die ganze Stadt. Während einer Stadtteilversammlung im Konzertschuppen Knust fanden sich Anwohner flugs zu gut einem Dutzend Arbeitsgruppen zusammen.
Seit knapp zwei Wochen sind Flüchtlinge in einem Notlager in der Messehalle B6 untergebracht. Bis Ende September sollen dort bis zu 1.200 Menschen unterkommen (das Elbe Wochenblatt berichtete). Schon wenige Tage, nachdem die Nachricht raus war, formierten sich Gruppen im angrenzenden Karolinenviertel, die die Neuankömmlinge unterstützen wollen.
Gebraucht werden dringend Kleidung, Zahnbürsten, Duschzeug, Deos und viele andere Alltagsdinge. Das organisieren Helfer nun mit einer Kleiderkammer, in der Spenden abgegeben werden können (siehe Kasten).
Darüber hinaus wollen die Unterstützer eine Kinderbetreuung und Spielangebote, Deutschkurse, sportliche und kulturelle Angebote und etliches mehr auf die Beine stellen. Bald soll es mitten im Karoviertel ein großes Willkommensfest geben.
Hilfe ist das eine, klare politische Ansagen sind das andere. Demgemäß forderte die Versammlung unter anderem ein Bleibe- und Arbeitsrecht, eine Krankenversicherung, kostenlose Sprachkurse und Bildungschancen für Flüchtlinge. Und: Hamburg müsse gegen massenhaften Leerstand vorgehen und in den verfügbaren Gebäuden schnell Flüchtlingswohnungen schaffen, so die Forderung.
Bemerkenswert: Während sich das Viertel schon mit voller Kraft daran machte, Unterstützung für die Neuankömmlinge zu organisieren, informierten die Behörden erst zwei Tage nach der Anwohnerversammlung – am Montagabend – über das Notlager in den Messehallen.
St. Pauli war halt wieder mal schneller.

Kleiderkammer


In der Kleiderkammer bei der Messehalle B6 (Zufahrt über Holstenglacis, gegenüber des Gefängnisses) können rund um die Uhr Spenden abgegeben werden. Gebraucht werden vor allem Herrenkleidung in den Größen S und M, Herrenschuhe (Größe 40 bis 44), Kinderkleidung und Spielzeug, Damenkleidung (länger, körperbedeckend) sowie Deo, Zahnbürsten oder Binden. Wichtig: Kleidung sollte nach Geschlecht und Größen sortiert und am besten in Tüten abgepackt sein. Vor allem sollen Textilien auf alle Fälle sauber und gewaschen sein!
Infos zu allen Gruppen auf Facebook:
❱❱ www.facebook.com/pages/Refugees-welcome-Karoviertel

Kommentar von Carsten Vitt
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