Wie ein Flüchtling zum Theatergründer wird

Mahmut Canbay floh als politisch verfolgter Kurde aus der Türkei und gründete in Eimsbüttel das Mut-Theater. Mit Regisseurin Rayka Kobiella erzählt er seine Geschichte auf seiner eigenen Bühne.
Hamburg: MUT-Theater |

Der Kurde Mahmut Canbay floh mit 23 aus der Türkei – nun erzählt er seine Geschichte in einem Theaterstück

Als Mahmut Canbay als junger Mann in Deutschland ankam, wollte er nur ein paar Monate bleiben. Um sich zu erholen, Kraft zu schöpfen. Nach Jahren, in denen er untertauchen und sich verstecken musste. In denen er in Haft war und gefoltert wurde. Er ist Kurde, stammt aus einer alevitischen Familie. Er ist Linker. Drei Eigenschaften, mit denen er in der Türkei der 1970er Jahre keine Perspektiven hatte. 1984 floh er, und ist dann in Deutschland geblieben.

Anfangs wusste er gar nicht, was Asyl bedeutet

Nun erzählt er seine Geschichte im Mut-Theater in Eimsbüttel. Er hat es gegründet, und er leitet es. „Wagen 10“ heißt das Stück mit und von ihm. Es ist ein Leben in einer Geschichte. Eine Geschichte vom Leben. Vom Weggehen, Ankommen und doch immer noch Unterwegssein.
„Ich kannte in Deutschland niemanden, hatte keine Freunde, keine Wohnung. Ich wusste auch nicht, was Asyl überhaupt bedeutet“, erzählt er von seiner ersten Zeit in dem fremden Land. Nach und nach lernte er die Sprache, fand Freunde, Kurden, Türken, Deutsche. Und er lernte auch, was Asyl bedeutet. Dass er als verfolgter Kurde Zuflucht bekommen kann.

Er sagte sich: „Ich möchte das Exil positiv nutzen“

Mitgebracht hatte er aus seiner Heimat den Willen, sich zu behaupten, zu kämpfen, sich nicht zu beugen. Aber was tun? Irgendwann war für ihn klar: „Ich möchte das Exil positiv nutzen.“ Er studierte Theaterpädagogik, arbeitete als Regisseur. Ende der 1990er-Jahre fand sich rund um ihn eine kleine Gruppe Theaterbegeisterter an der Schule Altonaer Straße zusammen – die Keimzelle des heutigen Mut-Theaters an der Amandastraße.
Canbay möchte den Austausch fördern. Die kleine Bühne mit den knapp 80 Plätzen ist mal Schauplatz eines einwöchigen Festivals türkischer Theatergruppen – Büfett, lange Abende und Partys inbegriffen. Mal ist es Treffpunkt für lateinamerikanische Tanzgruppen. Er und ein festes Team schreiben und inszenieren Stücke, laden Ensembles zu Gastspielen ein oder organisieren Lese- und Musikabende. Immer geht es darum, Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen, aus unterschiedlichen Kulturkreisen oder Milieus zusammen zu bringen.
So wie ihn selbst und Regisseurin Rayka Kobiella: Ehe sie für ein Theaterfestival ein Stück im Mut-Theater zeigte, wusste sie gar nichts von der kleinen Bühne mit dem ungewöhnlichen Programm in ihrer Nachbarschaft. Und nun inszeniert sie ein Stück über die Biografie des Gründers auf seiner eigenen Bühne. Canbay spielt sich selbst. Alles in einem.

Wagen 10
Mut-Theater,
Amandastraße 58

Donnerstag, 28. Januar,
20 Uhr (Premiere)
Freitag/Sonnabend, 29./30. Januar, jeweils 20 Uhr
Freitag, 12. Februar, 19 Uhr
Sonnabend, 13. Februar,
20 Uhr
Karten: zwölf, ermäßigt
neun Euro
Reservierung:
karten@muttheater.de
❱❱ www.muttheater.de
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