Wer späht da in eine Wohnung?

Unerwünschter Beobachter: Am Rande eines kleinen Parkplatzes am S-Bahnhof Stellingen ist eine Überwachungskamera installiert, die neulich direkt auf ein Wohnhaus gerichtet war. Ein Anwohner protestiert dagegen.

Stellingen: Überwachungskamera auf Wohnhaus gerichtet

Als Martin Ewert neulich auf den Balkon seiner Wohnung ging, blickte er in die Linse einer Überwachungskamera. Etwa 20 Meter entfernt, am Rande des kleinen Parkplatzes vor der S-Bahn-Station Stellingen, ist eine Kamera installiert. „Üblicherweise ist das Gerät auf den Bahnhofsvorplatz gerichtet, aber an diesem Tag zeigte es direkt auf unser Wohnhaus – und zwar in so einem Winkel, dass mein Balkon und meine Wohnung genau im Blickfeld lagen“, erzählt der Stellinger. In dieser Position blieb das Gerät anschließend für mehrere Tage.
Der Neubau am S-Bahnhof Stellingen hat große Glasfronten. Ewerts Wohnung ist ein kleines Einzimmer-Apartment. Und dieses nun im Blickfeld der Kamera – der Journalist und Jurist will das nicht auf sich beruhen lassen. Er hat nichts gegen die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen wie dem Bahnhof: „Bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen macht das Sinn, aber da muss der Bahnhofsbereich überwacht werden. Hier werden auch ungeheuer viele Fahrräder geklaut.“ Aber möglicherweise private Bereiche wie die Wohnung zu filmen – das geht für Ewert zu weit. „Es gibt das Grundrecht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung – das wird da verletzt. Es kann nicht sein, dass der letzte geschützte Bereich das Klo ist.“
Wer steuert die Kamera? Was passiert mit den Aufnahmen? Das ist gar nicht so leicht herauszufinden – eine öffentliche Stelle verweist an die andere. Laut Datenschutzbeauftragtem ist die Polizei Hamburg für die Kamera verantwortlich. Die Landespolizei verweist erstmal an die Bundespolizei. Diese erklärt auf Wochenblatt-Anfrage, dass sie die Kamera nicht betreibt, nicht steuert und deren Aufnahmen nicht speichert. Verwiesen an die S-Bahn – aber die ist auch nicht verantwortlich. Denn: Die Fläche rund um den Parkplatz sei gar nicht mehr Bahngelände.
Wer warum und wofür die Kamera auf das Wohnhaus am S-Bahnhof Stellingen ausrichtete, bleibt bisher offen.
Für Martin Ewert ist klar: „Es gibt heute so wenig Privatsphäre – da müssen Räume wie die Wohnung einfach geschützt werden.“
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Bernd Reibschläger aus Stellingen | 25.08.2015 | 21:17  
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