Weidlers hören auf

Haben sich im Geschäft kennengelernt, nun schließen Eleonore und Waldemar Weidler ihren Laden. Foto: ben freier

Nach 40 Jahren schließt das Ehepaar sein Wild- und Geflügelgeschäft

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Der Chef wird bald 75, die Chefin ist bereits 78. 40 Jahre lang haben Waldemar und Eleonore „Ellen“ Weidler ihren Wild- und Geflügelhandel an der Osterstraße 150 geführt. Nun hören sie auf, aus Altersgründen.
Die Weidlers betreiben einen der letzten Traditionsläden, die es in Eimsbüttel noch gibt. Der Name des Geschäfts steht wie viele andere – Blumen Schmidt, Voje, Potthast, Tapeten Kerschke oder Zars – für klassischen Einzelhandel, für inhabergeführte Läden, wie sie seltener werden rund um die Osterstraße. „In diesen Geschäften wurde geklönt, geflachst und es wurden zahlreiche Neuigkeiten ausgetauscht, wir waren eine große Familie“, erzählt Marion Leissnig, Tochter der Weidlers, die immer wieder über die Weihnachtszeit ausgeholfen hat. Supermärkte gab es damals kaum, bei den Einzelhändlern bekamen die Bewohner des Viertels alles, was sie brauchten.
Weidlers waren 40 Jahre, Tag für Tag, von morgens bis abends in ihrem Geschäft. Kenner der guten Küche bekamen dort Spezialitäten vom Rehrü-cken über Gänse bis zum Straußenfilet. Und vom Chef obendrein noch das eine oder andere Rezept, wie man das frische Fleisch am besten zubereitet.
Die Arbeit, die die Weidlers tagein tagaus erledigten, war knochig und hart. „Aber jeder hat sein Bestes gegeben, um alle Kunden zufrieden zu stellen“, so Leissnig. Verkäuferinnen kamen meist aus dem Bekanntenkreis. Rezepte wurden auf der Reiseschreibmaschine getippt, fotokopiert und an die Kunden gegeben. „Auch wenn das Geld bei dem Einen oder Anderen zum Monatsende mal knapp war, bei Weidlers ist keiner mit leerem Magen gegangen“, erzählt Leissnig.
Nun gehört dieses traditionelle Geschäft wie zuvor zum Beispiel Holdorf oder Adda Eis bald zur Geschichte des Viertels. Die Tochter kann den Betrieb nicht übernehmen. „Für mich ist dieser Laden nicht zu bewältigen. Erstens habe ich es nicht gelernt, zweitens müssten von behördlicher Seite zu viele Auflagen erfüllt werden, die finanziell den Rahmen sprengen würden“, sagt sie. In den Räumen soll nach einer längeren Umbauzeit ein Restaurant eröffnen.

Flohmarkt

Weidlers schließen zum 1. Mai, verabschieden sich aber beim Osterstraßenfest am Wochenende mit einem Flohmarkt, bei dem das Inventar des Geschäfts verkauft wird. Das eine oder andere Rezept für ein gutes Wildgulasch können die
Besucher bei dieser Gelegenheit sicherlich auch
ergattern. CV
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