Was ziehe ich an zum Referat?

Stapel von Büchern, Nächte vor dem Monitor: Da müssen Studierende durch. Im Elbe Wochenblatt schreibt eine Studienanfängerin über ihre Erlebnisse an der Universität Hamburg. (Foto: fk)

Abenteuer Studium: Neue Kolumne im Elbe Wochenblatt

Franziska Kühn, Eimsbüttel – Eine der bedeutsamsten Fragen zum erfolgreichen Studium erschien mir neulich die Kleiderfrage. Es gibt Leute auf dem Campus, die behaupten ja, an der Kleidung von Studierenden schon deren Studienfach erkennen zu können. Die Klischees gehen etwa so: BWLer kommen schon im ers-ten Semester in Anzug und Aktentasche, Juristen glänzen mit goldenen Gürtelschnallen, Ethnologen mögen es bunt, Sozialpädagogen sind mehr als lässig gekleidet und tragen gern ihre politischen Ansichten modisch zur Schau. Am eigenwilligsten sind die Philosophen, die nach der Stilregel verfahren: „Ich kleide mich nicht, ich denke.“
Nicht nur die Fachrichtung, auch der Erfolg von Studierenden lässt sich meiner Meinung nach an der Kleidung ablesen. Modepüppchen schweigen meist im Seminar, und wenn sie endlich etwas sagen, ist häufig nicht viel dahinter. Peinlich. So kommt es wohl auch, dass man ab dem zweiten Semester kaum noch lackierte Nägel und High Heels sieht. Je höher die Semesterzahl und je genialer die Beiträge, desto altmodischer und schlampiger die Kleidung.
Beeindruckt war ich neulich von einer sehr jungen Doktorandin, die ihre Garderobe offenbar aus der Truhe auf dem Dachboden ihrer verstorbenen Tante gewählt hatte. Als mein erstes Referat anstand, stellte sich mir darum die Frage: Was soll ich nur anziehen? Ich beschloss, dass nichts vom Referat ablenken sollte und durchsuchte meinen Kleiderschrank und denen meiner Mutter, blätterte im Katalog und sah mir Schaufenster an. Nach stundenlangem Suchen wählte ich letztendlich eine alte
Jeans (immerhin sauber) und einen Pullover von ergreifender Schlichtheit. Kein Kajal. Flache Schuhe. Pferdeschwanz. Für mein Referat bekam ich eine Zwei.

Die Kolumne

Neu an der Uni: Eine aufregende Zeit, viele Eindrücke, viele neue Gesichter. Franziska Kühn aus Eimsbüttel ist 19 Jahre alt und studiert Geografie. In ihrer Kolumne im Elbe Wochenblatt steht, was sie an der Universität Hamburg erlebt.
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Klaus Leimann aus Eimsbüttel | 28.11.2012 | 20:03  
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