Was wird aus den Ein-Euro-Jobbern?

(Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)

Kritik an Stellenkürzungen aus der Lenzsiedlung – Notpläne für manche Projekte

Von Christopher von Savigny, Lokstedt – Das Personal im Café der Lenzsiedlung hat sich vor einigen Monaten merklich verjüngt: Statt von Ein-Euro-Jobbern werden die Gäste des Café Veronika neuerdings von Jugendlichen bekocht und bedient. Hintergrund sind Stellenstreichungen. Das Stadtteilzentrum hat aus der Not eine Tugend gemacht und erweckte die zuvor eingestellte Produktionsschule wieder zu neuem Leben: Junge Schulabbrecher und Ausbildungsplatzsuchende können sich nun als Koch oder Servicekraft weiterbilden und später sogar ihren Hauptschulabschluss nachholen.
Weniger glücklich sind die Betreiber damit, dass sie zehn der Zusatzjobber (offiziell: „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“) nach zwei Jahren in eine ungewisse Zukunft entlassen mussten. Petra Lafferentz vom Beschäftigungsträger Alraune: „Bei älteren Arbeitslosen dauert es etwas länger, bis sie sich etwas zutrauen und bis sie wieder im Arbeitsleben verwurzelt sind“, sagt sie. Durch die Stellenkürzungen habe man diesen Prozess quasi zunichte gemacht. Immerhin: Zwei der Ein-Euro-Jobs in der Lenzsiedlung konnten in langfristige Arbeitsverträge umgewandelt werden.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bund die entsprechenden Mittel deutlich gekürzt. Für 2012 wurde die Zahl der Plätze in der Hansestadt von 6.500 auf 3.900 fast halbiert. Lafferentz, gleichzeitig Sprecherin der Hamburger Beschäftigungsträger, wirft den Behörden Vertragsbruch vor: Anders als zuvor vereinbart, sei den Bezirken bei der Auswahl der Projekte kein Mitspracherecht eingeräumt worden. „Wir wollen Stellen erhalten, die stadtteilorientiert sind“, sagt Lafferentz. Stattdessen, so die Kritik, sei offenbar nach der Devise „Malen nach Zahlen“ vorgegangen worden.
Horst Weise, Sprecher von der zuständigen Stelle team.arbeit.hamburg:„Warum welches Projekt aus der Förderung herausgefallen ist, kann man im Nachhinein nicht feststellen.“ Allerdings hätten einige Einrichtungen zu wenig dafür getan, ihre Beschäftigten wieder in den ers-ten Arbeitsmarkt zu integrieren. „Es reicht nicht, einfach nur ein soziales Projekt zu sein“, so Weise.


Diese Stellen fallen weg:

- Medienpool (Quartierszeitung „LenzLive“, Computerkurse,
Pressearbeit): etwa zehn Mitarbeiter
- Einfal (Second-Hand-Laden „SpendaBel“):
etwa fünf Mitarbeiter
- Dienstleistungszentrum Eidelstedt (Hausmeistertätigkeiten): vier Stellen (bereits im vergangenen Sommer ausgelaufen)
- Alraune (Café Veronika): zehn Stellen (bereits im vergangenen Sommer ausgelaufen)
- Die beantragten 25 Stellen für die „Helpslüüd“ von Koala (Haushalts- und Einkaufshilfe für Alte und Kranke) wurden genehmigt. Das Projekt kann also weitergeführt werden.
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