Warum eine Kiez-Legende auf einem Flohmarkt verkauft.

Günter Zint verkauft einen Teil seiner Schätze.
 
Kiez-Legende Günter Zint.
Hamburg: Feldstraße | Wie immer war das Angebot vielseitig, von Ramsch bis hin zu neuwertigen Artikeln war für den Flohmarktbesucher alles dabei. Samstags tummeln sich immer eine Vielzahl von Schnäppchen- und Glücksjäger auf dem Antik- und Flohmarkt Flohschanze (Schlachthof). Am Samstag letzter Woche hatten Sammler und Liebhaber besonderer Dinge großes Glück und kamen auf ihre Kosten, denn einer der Flohmarktstände hatte es in sich.
Hier lagen zahlreiche Schwarz-Weiß-Abzüge auf den Tisch, von einem sehr bekannten Fotografen mit Weltruhm. Zu sehen waren Fotos zum Beispiel von Jimi Hendrix, den legendären Beatles, von Deutschlands bekannteste Prostituierte Dominica Niehoff und Kiezfotos wie René Durand bei der Arbeit in seinem Salambo. Handsignierte Schallplattenboxen aus den 70ern und DVDs, die Seltenes über die Beatles, den Beat und der Großen Freiheit zeigten. Hinter dem Tisch standen Original-Aufsteller, die einst der 2010 verstorbene Kiezmaler Erwin Ross entworfen hatte. Sie stellten in Lebensgröße die Beatles und eine Marylin Monroe ähnelnde Schönheit da. Echte Originale und Kostbarkeiten, die doch eigentlich auf einem Flohmarkt kaum oder gar nicht zu finden sind, sondern eher in einem Museum. Wer aber war denn dieser Verkäufer, und woher hatte er das ganze schöne Material erwerben können, und warum verkauft er es? Nachgefragt stellte sich heraus, dass es sich um niemanden anderes handelte, als um den Fotografen selbst: Günter Zint.
Viele Bekannte kamen auf Günter Zint zu und begrüßten ihn herzlich, einige der Käufer seiner Schätze ließen es sich nicht nehmen, sie gleich von ihm persönlich mit seinem Namen signieren zu lassen. Auch der NDR kam vorbei und hielt das Geschehen für das Fernsehen fest.
Um nur wenige seiner vielen Tätigkeiten aufzuzählen: Günter Zint wurde bekannt als Fotograf, der sehr vielseitig und erfolgreich war. Auf unzähligen Fotos hielt er als Kiez-Fotograf das Leben auf St. Pauli wie kein anderer fest. Als Musik-Fotograf traf er die berühmtesten Musiker seiner Zeit und entwarf sogar für einige von ihnen Plattencover und Autogrammkarten. Mit seinen Beatle Fotos aus dem Star-Club brachte er es zu Weltruhm. Aber auch als Anti-AKW Fotograf wurde er bekannt und dokumentierte den Widerstand gegen die Atomkraft. Nicht zu vergessen, dass er auch Autor von mehr als 60 Bildbänden und der Museumsgründer und Förderer des Sankt Pauli Museum ist.
Viel gäbe es über Günter Zint zu erzählen, dass es schon für eine Biografie oder für einen Filmstoff reichen könnte. Doch wie kommt es, dass solch ein begnadeter Meister der Fotografie seine Juwelen auf einem Flohmarkt anbietet?
Mit dem Erhalt des Sankt Pauli Museums hat der Flohmarkt Verkauf nichts zu tun, denn das wird Günter Zint mindesten bis Anfang 2015, so wie es jetzt betrieben wird, weiter führen können. Die Fotos, die auf dem Tisch lagen, sind alles Dublikate seiner Firma PANFOTO. Dort hat er mittlerweile über 6 Millionen Negative und besitzt somit eines der größten privaten zeitgeschichtlichen Archive Deutschlands. Prozesskosten eines Gerichtsverfahrens, das er gegen die Tochter des verstorbenen „Salambo“ Sextheater-Besitzers René Durand führt, veranlassen ihn dazu, einige seiner Sammlungsstücke und Werke zu veräußern.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.