Vor Gericht: Der Schütze von der Osterstraße

Rolf S. steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Am 6. April wurde aus seiner Wohnung geschossen, einen 20-jährigen traf eine Kugel aus einem Luftgewehr am Hals. (Foto: cvs)

58-Jähriger schoss im Frühjahr mit Luftgewehr über die Straße auf Ruhestörer

Christopher von Savigny, Eimsbüttel
Das Opfer, Jan H. (20), hatte zunächst nur das Gefühl, einen „Schlag gegen den Hals“ abbekommen zu haben. „Gehört habe ich nichts“, gibt der junge Mann zu Protokoll. Doch dann bemerkte er, wie das Blut in Strömen an ihm herunterlief. Der eilig herbeigerufene Rettungswagen brachte H. ins Eppendorfer Krankenhaus, wo die Ärzte eine vier Millimeter dicke Stahlkugel aus seinem Hals operierten. Vier Zentimeter tief hatte sich das Geschoss in H.'s Fleisch gebohrt. Für einen kurzen Zeitraum bestand sogar Lebensgefahr.
Es war der 6. April 2014,
5 Uhr morgens vor der Haspa-Filiale gegenüber von Karstadt in der Osterstraße. Lange hatten die Ermittler gerätselt, woher der Schuss gekommen sein könnte. Erst eine ballistische Untersuchung führte schließlich in die Wohnung von Rolf S. (58), der ebenfalls in der Osterstraße wohnt. Aus Ärger über nächtliche Ruhestörung soll S. auf H. geschossen haben. Nun sitzt der mutmaßliche Schütze auf der Anklagebank des Amtsgerichts Hamburg: hager, graue, halblange Haare, die Augen als Schutz vor den Fotografen mit einer dunklen Sonnenbrille verdeckt. „Ich hätte nie gedacht, dass man mit einem Luftgewehr so viel Scheiße anrichten kann“, sagt der Angeklagte reumütig.
Irgendwann nachts war H. mit einem Kumpel per Taxi zur Haspa gefahren. Beide hätten sich lautstark unterhalten und randaliert, bei H. wird später ein Blutalkoholwert von 1,8 Promille gemessen. Auch der Schütze war betrunken: Drei Liter Bier und „mehrere Pfeifchen Haschisch“ stehen zu Protokoll. Gezielt habe er nicht, sondern nur grob in die Richtung der Ruhestörer geschossen. „Auf keinen Fall wollte er jemanden verletzen“, sagt sein Anwalt.
In der Verhandlung geht es auch um verbotenen Waffenbesitz: In seiner Wohnung hortete S. laut Staatsanwaltschaft mehrere Luftgewehre und -pistolen, für die er keine Genehmigung hatte. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft, die Verteidigung hofft auf eine Bewährungsstrafe.

Das Urteil: Rolf S. ist zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. An H. muss der Verurteilte zudem ein Schmerzensgeld von 2.000 Euro zahlen.
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