Von Sardinien nach Eimsbüttel

Lussorio Puddo (Mitte) hat Beatrice Virendi (r.) und Sielke Salomon gern über seinen Weg von Sardinien nach Hamburg erzählt. Seine Geschichte ist einer von elf Beiträgen im neuen Buch „Italiener in Eimsbüttel“. (Foto: ar)

Neues Buch: Italienische Einwanderer erzählen ihre Geschichten

Von Anne Rose, Eimsbüttel – Oliena, Sardinien, 1960. Zusammen mit einem Freund plant Lussorio Puddo die Reise in ein neues Leben. Die Arbeit auf dem Weingut der Eltern ist hart, die Erträge sind gering, und so machen sie sich mit der Hilfe eines Bekannten bei der Emigrationsbehörde auf den Weg nach Deutschland. Gastarbeiter werden dringend gesucht, noch vor seiner Ankunft in Hamburg bekommt Puddo einen Job in einer Werft im Hafen.
Wie er kamen seit den fünfziger Jahren viele Italiener nach Hamburg. Viele Institutionen wie das italienische Kulturinstitut haben in Eimsbüttel ihren Sitz, über 1.100 Italiener leben heute im Bezirk. Elf von ihnen haben Beatrice Virendi ihre Geschichte erzählt. Für die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel sind so eine Ausstellung und ein Buch entstanden (siehe Kasten).
Lussorio Puddo arbeitet schließlich bei Blohm & Voss. Er findet eine Wohnung in Eimsbüttel und beteiligt sich an den Rettungsarbeiten nach der großen Flutkatastrophe 1962.
Nachdem er seine spätere Frau in einer Eisdiele auf der Osterstraße kennenlernte, entschloss er sich, in Hamburg zu bleiben. Ihre drei gemeinsamen Kinder wachsen hier auf, gehen hier zur Schule.
In den siebziger Jahren beginnt Puddo, Veranstaltungen für das italienische Generalkonsulat zu organisieren und gründet einen Sardischen Verein, in dem er 15 Jahre lang Vorsitzender bleibt.
„Ich denke, es war die richtige Entscheidung damals“, sagt er heute. Seine Familie ist hier zu Hause, nur das sonnige Klima seiner alten Heimat vermisst er sehr.
In dem Buch erzählen die von Beatrice Virendi Befragten mal lustig, mal nachdenklich von ihren persönlichen Erfahrungen in ihrer neuen Heimat. Neben den Gründen für die Auswanderung – die ersten Italiener kamen in den fünfziger Jahren als Gastarbeiter, später zum Studieren oder der Liebe wegen – geht es in den Geschichten auch um die schwere Zeit nach der Ankunft in Hamburg, um Diskriminierung und die schlechten Wohnverhältnisse.

Das Buch „Ich fühle mich hier zu Hause. Italienerinnen und Italiener erzählen ihre Geschichte“ kann in der Galerie Morgenland in der Sillemstraße 79 gekauft werden, Kosten: 9,80 Euro.
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