Von Arbeitern, Kasernen und Verfolgten

Henry Heitmann war homosexuell, in seiner Wohnung in der Sillemstraße beging er Selbstmord, um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen. Heitmanns und Dutzende weitere Biografien sind in dem Buch Stolpersteine in Eimsbüttel und Hoheluft-West zusammengefasst. (Foto: Foto: Staatsarchiv Hamburg)

Stadtteilgeschichte zum Nachlesen – drei Buchtipps.

Von Carsten Vitt.
Eimsbüttel war einst ein Arbeiterviertel, viele Ältere erinnern sich noch an rotbeflaggte Straßen in „Klein-Moskau“, wie das Gebiet rund um Stellinger und Luruper Weg mal genannt wurde. In drei lesenswerten Büchern werden das Leben im Viertel zwischen 1920 und 1945, Militarismus und Verfolgung während der NS-Zeit beschrieben – das Elbe Wochenblatt gibt den Überblick.

- „Was ich euch erzählen will“ heißt das Buch von Elfie Buth. Im Gespräch mit Martin Kempe erzählt die Eimsbüttelerin von ihrer Kindheit und Jugend im Eimsbüttel der Weimarer Republik und während des Nationalsozialismus bis 1945. Direkte, spannende Einblicke in ein Arbeiter-Milieu, das es heute nicht mehr gibt.

- Die Geschichte der ehemaligen Kasernen an der Bundesstraße hat eine Gruppe um Peter Offenborn (Geschichtswerkstatt Eimsbüttel) recherchiert. Sie beschreiben den Miltärstandort in Eimsbüttel-Süd – heute wird dort der mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich der Universität Hamburg ausgebaut. Von der Bundesstraße aus zogen Soldaten in den Ersten und Zweiten Weltkrieg, um 1918 gab es Zusammenstöße und Tote bei Demonstrationen vor den Kasernentoren. In der NS-Zeit brach das berüchtigte Polizeibataillon 101 von der Bundesstraße aus in den Vernichtungskrieg in Polen auf.

- Susanne Lohmeyer und ein Team von Autoren hat rund 200 Biografien von Opfern des NS-Regimes in Eimsbüttel und Hoheluft-West recherchiert. Es sind die Geschichten hinter den Stolpersteinen, die vor vielen Häusern in den Stadtteilen an Verfolgte und Ermordete erinnern. Juden, Kommunisten, Homosexuelle oder psychisch Kranke wurden von den Nazis umgebracht oder in den Tod getrieben, in dem zweibändigen Werk bekommen die Opfer Gesichter und Geschichten.

Elfie Buth mit Martin Kempe: Was ich euch erzählen will. Meine Kindheit und Jugend im Hamburger Arbeiterviertel Eimsbüttel.
Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
ISBN: 978-3-89965-563-6, Preis: 9,80 Euro

Militarismus, Revolution und soziale Not
Geschichten um die Kasernen an der Hamburger Bundesstraße, Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
ISBN 978-3-89965-587-2, Preis: 9,80 Euro

Susanne Lohmeyer: Stolpersteine in Eimsbüttel und Hoheluft-West, biografische Spurensuche
Zwei Bände, für sechs Euro erhältlich bei der Landeszentrale für politische Bildung, Dammtorwall 1, Tel 428 23 48 08
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