Vom Islamischen Staat bis zu Pegida

Frei nach Skakespeare und Orwell: 22 Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen spielen „Romeos und Julias 8.4“ auf dem Hoheluftschiff des Theaters Zeppelin. (Foto: Langenbach)

Im Theater Zeppelin zeigen Jugendliche aus sechs Ländern einen
Klassiker in der Jetztzeit: : „Romeos und Julias 8.4“

Von Maren Langenbach, Eimsbüttel

Eine Julia, die herumgeschubst und verhöhnt wird. Ein Romeo, der von Polizisten mit einem Schild um den Hals durch die Straßen geführt wird, auf dem steht: „Ich bin im Ort das größte Schwein.“ Nein, das Stück „Romeos und Julias 8.4“, das die Theatergruppe „SISU“ auf dem Hoheluftschiff des Theaters Zeppelin aufführt, ist nichts für einen plätschernden Theaterabend. Es fordert vielmehr den Zuschauer heraus, macht ihn hellwach und beeindruckt.
Inszeniert von Christina Heitfeld und Andrea Keller bringen 22 Jugendliche den klassischen Stoff auf die Bühne, in dem sich Romeo und Julia Kraft ihrer Liebe einem totalitären System entgegen stellen. Frei nach William Shakespeare und mit Zitaten aus George Orwells düsterem Werk „1984“ gespickt, greift das Stück Themen wie Rassismus, Kindesmissbrauch, Armut oder Flüchtlinge auf – und das mit klaren Worten. Selbst Zitate von Überläufern des Islamischen Staates oder von Pegida-Anhängern kommen vor.
„Wir haben das Stück zusammen mit den Jugendlichen entwickelt“, erzählt Regisseurin Christina Heitfeld. „Es kommen Themen zur Sprache, die die jungen Menschen beschäftigen, über die sie nachdenken oder die sie in ihrem Alltag erleben. Es war ihnen ein Bedürfnis, diese Dinge auf die Bühne zu bringen.“

Für die Teilnehmer zählt nicht die Herkunft

Einige von ihnen haben selbst eine Flüchtlingsgeschichte hinter sich. Wie etwa Shahabedin, 18 Jahre, aus Afghanistan. Vor einem Jahr kam er allein nach Deutschland, hat irgendwann über Bekannte von der Theatergruppe gehört. „Mir gefällt es sehr, das Theaterspielen ist schön und die Menschen sind sehr nett“, sagt er in fast perfektem Deutsch. Anna und Linda aus Deutschland, Anne aus Kamerun oder eben Shahabedin aus Afghanistan, außerdem Jugendliche aus Korea, England oder dem Sudan – die Gruppe „SISU“ zeigt, dass es glücken kann, wenn die Welt näher zusammen rückt.
„Anfangs war ich schon skeptisch, wie wird es wohl sein, mit Flüchtlingen zu spielen?“ gibt Linda zu. „Das war schnell vergessen.“ Die Jugendlichen kennen die Geschichten des anderen, doch es ist ihnen nicht wichtig, woher der andere stammt. Sie sind Theaterleute, die sich gegenseitig mal kritisieren, mal loben – und die vor allem zusammenhalten.

Termine
„Wir machen nicht nur Theater für Flüchtlinge, sondern für Jugendliche“, betont Regisseurin Andrea Keller. „Jeder, der Lust darauf hat, ist willkommen.“ Wer sich davon überzeugen möchte, der hat am Sonnabend, 6., und Sonntag, 7. Februar, jeweils um 19.30 Uhr, Gelegenheit dazu. Der Eintritt ist frei, Plätze für „Romeos und Julias 8.4“ sollten allerdings vorab telefonisch unter S 422 30 62 reserviert werden.
❱❱ www.theaterzeppelin.de
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.