Verrückt nach Geschichten

Kunst als Kraftspender: Vereinsgründer Peter Lanzoni will mit Theater die Stärken von Menschen mit psychischen Erkrankungen fördern. Foto: stein-kanjora

Peter Lanzoni hat den Verein „Crazy Artists“ gegründet, der Theaterstücke von und mit psychisch Kranken fördert

Gardy Stein-Kanjora, Eimsbüttel

Peter Lanzoni kennt sich aus mit Verrücktheiten, künstlerisch und beruflich. Der Eimsbütteler hat den Verein „Crazy Artists“ (Verrückte Künstler) gegründet. Das soll aber keine Beleidigung der Akteure sein, sondern ist humorvoll und ironisch gemeint – „Crazy Artists“ bringt Menschen mit psychischen Erkrankungen auf die Bühne.
Lanzoni fand schon während des Pädagogikstudiums Gefallen am Schauspiel, er machte das nach dem Diplom-Abschluss zu seinem Beruf und spielte viele Rollen, auch auf staatlichen Bühnen. Mit 40 machte er eine Kehrtwendung und bewarb sich beim Universitätsklinikum Eppendorf als therapeutischer Mitarbeiter. Heute betreut er dort Patienten mit Depression, Bipolarer Störung oder Angst- und Zwangsneurosen. Zur Auflockerung und Ergänzung der Therapie begann er vor 15 Jahren, mit ihnen Theater zu spielen: „Mich hat der Ausdruck interessiert, aus künstlerischer und therapeutischer Sicht. Ich wollte Produktionen machen, die die Ressourcen dieser Menschen nutzen und nicht defizitär orientiert sind, wie das in der klinischen Arbeit oft der Fall ist.“ Es geht Lanzoni also in erster Linie um das, was jemand kann, darum, dass Patienten über Rollen- und Theaterspiel etwas Positives erleben und den Zuschauern vermitteln können.
Profis interessierten sich nur für sich selbst
„Das erste Stück war unbefriedigend, da sich die engagierten Profis nur für sich und nicht für die Inklusion der teilnehmenden Patienten interessiert haben“, erzählt er. Daraufhin nahm Lanzoni kurzerhand selbst das Ruder in die Hand, wurde Autor, Produzent und Regisseur und besetzt seitdem die Rollen fast ausschließlich mit Menschen, die traumatische Fluchterfahrungen oder psychische Krankheiten haben. „Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. In unserem letzten Stück ,Das Familienfest’ spielten Geflüchtete aus Iran und Syrien zusammen mit klinischen Patienten. Da erleben die so genannten Gesunden, die ,normalen’ Menschen, oft eine Überraschung, wie gut die anderen Darsteller sind!“
Kann man bei den „Crazy Artists“ mitmachen? „Es gibt einen Chor auf dem UKE-Gelände. Aber ob da ein Verrückter dabei ist, verrate ich nicht“, sagt Peter Lanzoni lachend.

Crazy Artists

Der Verein Crazy Artists organisiert Lesungen, Kunstausstellungen und Theaterproduktionen mit psychisch Kranken und wurde unter anderem als Wegbereiter der Inklusion von der Stadt Hamburg ausgezeichnet. Damit der Verein weiter wachsen und auch andere Kunstformen anbieten kann, möchte Gründer Peter Lanzoni im ehemaligen Bethanien-Krankenhaus in Eppendorf eine „Kulturklinik“ gründen. Der Umbau läuft, bis 2019 entsteht hier ein Zentrum für Kultur, Soziales und barrierefreies Wohnen.
Kontakt: Tel. 37 08 08 88
E-Mail: info@crazyartists.de
❱❱ www.crazyartists.de
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