„Verdränge keine Mieter im Schanzenhof“

Hat Ärger, seitdem bekannt ist, dass er die Räume des alteingesessenen Schanzensterns übernimmt: Hotelier Stephan Behrmann in seinem Hostel an der Reeperbahn.
 
Polizeieinsatz an der Schanzenstraße: Vor Behrmanns Fritz im Pyjama-Hotel protestierten Unterstützer des Schanzenhofs mehrmals – zuletzt Ende Januar. Foto: Joto (Foto: Joto)

Schanzenhof-Konflikt: Hotelier Stephan Behrmann äußert sich zu Vorwürfen

Vorwürfe und Protestaktionen: Hotelier Stephan Behrmann ist zur Zielscheibe im Schanzenhof-Konflikt geworden, weil er die Räume des alteingesessenen Alternativhotels und Restaurants Schanzenstern übernimmt. Nun wehrt sich Behrmann gegen die Vorwürfe – das Interview im Elbe Wochenblatt.

Elbe Wochenblatt: Herr Behrmann, Sie führen an der Reeperbahn und an der Schanzenstraße bereits zwei Hotels. Es wird Ihnen vorgeworfen, den alteingesessenen Schanzenhof gezielt verdrängt zu haben - was sagen Sie dazu?
Stephan Behrmann: Das stimmt so nicht. Dazu muss ich auf die Vorgeschichte eingehen. Im Jahr 2013 bot mir ein Makler die Fläche des Schanzensterns an, für die der Mietvertrag im März 2016 auslaufen sollte. Ich habe den Eigentümern des Schanzenhofs, den Brüdern Schommartz, ein Angebot und ein Konzept vorgelegt – wie auch mindestens zwei weitere Interessenten, darunter eine große privat geführte Hotelkette. Dann hörte ich erstmal nichts weiter. Im vorigen Jahr kamen die Brüder Schommartz wieder auf mich zu und sagten, dass es mit den bisherigen Betreibern keine Einigung geben werde. Ich habe dann mein Angebot bestätigt und den Zuschlag bekommen.

EW: Die Initiative Schanzenhof nennt ihr Vorgehen trotzdem eine „feindliche Übernahme“ ...
SB: Da ist nichts dran. Ich habe den Betreibern des Schanzensterns mehrmals Gespräche und eine Zusammenarbeit angeboten. Denn für das Restaurant im Erdgeschoss brauche ich einen Partner. Ich hätte auch Personal mit übernommen. Aber nach zwei persönlichen Gesprächen sagten die Schanzenstern-Betreiber ab.

EW: Anderen Mietern wurde gekündigt, weil sich der Hotelbetrieb angeblich vergrößern soll – bauen Sie noch aus?
SB: Nein, ich habe nur den Folgemietvertrag für die Flächen des Schanzensterns unterschrieben. Die Kündigungen der anderen Mieter haben mit mir nichts zu tun, diese Flächen werden ja auch in Immobilienportalen angeboten. Vor allem, dass die Drogenberatungsstelle Palette ausziehen muss, empfinde ich als sozial engagierter Mensch als eine Katastrophe.

EW: Der Schanzenstern muss raus, ein neues Hostel kommt rein, Miete und Preise steigen – das ist wie aus dem Lehrbuch der Gentrifizierung, oder?
SB: Stimmt nicht ganz. Wichtig ist mir: Mein geplantes Pyjama Park-Hotel und -Hostel ist kein hochpreisiges Konzept. Es ist ein Hostel, die Bettenpreise beginnen bei 17 Euro und liegen in etwa auf dem Niveau wie im jetzigen Schanzenstern. Das Restaurant wird keine beliebige Kette betreiben. Ich zahle eine höhere Miete als die Vorgänger, aber es ist wohl nicht die häufig angeführte Erhöhung um 40 Prozent fällig, da ich auch selbst einen großen Betrag in die Renovierung investiere. Ich kann das aber nur schätzen, da mir die jetzige Miete unbekannt ist.

EW: Sie haben monatelang nichts zu dem Konflikt gesagt, obwohl Sie heftig kritisiert werden. Warum dann jetzt?
SB: Ich habe versucht, mit der Initiative Schanzenhof ins Gespräch zu kommen. Keine Reaktion. Bei einem Plenum wurde ich höflich des Raumes verwiesen. Es gab im Dezember eine Protestaktion mit Sachbeschädigung in meinem Fritz im Pyjama-Hotel. Das geht zu weit.

Stephan Behrmann - zur Person

Stephan Behrmann (42) betreibt an der Reeperbahn und an der Schanzenstraße zwei Hotels – das Pyjama Park-Hostel und das Fritz im Pyjama-Hotel. Ursprünglich kommt er aus der Getränkebranche, arbeitete im Vertrieb für verschiedene große Brauereikonzerne. 2012 übernahm der gelernte Hotelfachmann an der Reeperbahn PJ’s Bierbar und die darüberliegenden Gästezimmer, die er zu seinem ersten Hostel um- und ausbaute.
Behrmann unterstützt verschiedene soziale Initiativen, darunter Refugees Welcome Karoviertel oder das Kinderhaus Pinnasberg.

Stichwort: Schanzenhof

Der Schanzenhof ist ein aus mehreren Gebäuden bestehender Gewerbe- und Kulturhof zwischen Bartels- und Schanzenstraße, der seit 2013 den Brüdern Maximilian und Moritz Schommartz und deren Immobiliengesellschaft HWS gehört. Im vorigen Jahr wurde etlichen Erstmietern gekündigt: Ohne Bleibe und Perspektive sind demnächst das Alternativhotel Schanzenstern, die Drogenberatungsstelle Palette und mehrere Künstler. Bedroht ist auch das Kino 3001, dessen alter Mietvertrag 2021 ausläuft. Der Schanzenhof gilt als Paradebeispiel für Immobilienspekulation im Schanzenviertel: 2006 von der Stadt verkauft, ist der Komplex mehrere Male weiter veräußert worden, jeweils mit satten Gewinnen für die
privaten Eigentümer. Seitdem die Schommartz-Gesellschaft Eigentümer ist, gibt es Streit um Mieterhöhungen und ausstehende Reparaturen – zuletzt folgten Kündigungen.
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1 Kommentar
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Jens Meyer aus Altona | 05.02.2016 | 19:59  
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