Unser Pfeifenmann ist tot

Gerd Jansen in seinem Pfeifenladen: Mehr als 40 Jahre führte er das Traditionsgeschäft in Eimsbüttel. Nun ist er verstorben.
 
2014 übergab Gerd Jansen sein Geschäft an Franz Fleischmann (rechts). Bis zuletzt hatte er noch einmal pro Woche ausgeholfen und sein Wissen an den Nachfolger weitergegeben.

Nachruf: Trauer um Gerd Jansen, den langjährigen Inhaber des Pfeifendepots an der Methfesselstraße

Wenn Gerd Jansen von seinem Geschäft erzählte, musste man Zeit mitbringen. Er wusste einfach so viel über Pfeifen, Tabak und Rauchkultur wie kaum ein anderer. Er konnte mit einer Hingabe für Details erzählen, dass der Zuhörer bald vollkommen in diese einzigartige Welt eintauchte. Nun ist der langjährige Inhaber des Pfeifendepots an der Methfesselstraße tot – ein Nachruf.
Im Winter 2014: Wir sitzen im Souterrain des Gründerzeithauses in Eimsbüttel – und rauchen. Es riecht nach Tabak und Qualm, nach Geschichte und Nostalgie. Eröffnet 1899, dürfte dies eine der ältesten Geschäftsadressen Eimsbüttels sein. Von Anfang an war hier ein Tabakladen drin. Jansen selbst übernahm das Geschäft 1971. Er richtete es nostalgisch ein, mit viel dunklem Holz und stilvollen Regalen. Verkaufstresen, Tische und Stühle suchte er auf Flohmärkten zusammen oder aus dem Inventar von alten Läden. Man kann hier einfach die Zeit vergessen, zwischen all den alten Sachen, bei Pfeife, Tabakqualm und Büchern. Gerd Jansen verkaufte nicht nur Zigarren, Pfeifen und alles, was dazugehört – er vermittelte auch ein Stück besonderes Lebensgefühl, ein bisschen Ruhe und Gelassenheit. Vielleicht nicht das schlechteste Rezept in einer so schnelllebigen Zeit wie unserer.

Er lebte sein Geschäft wie kaum ein anderer

Jansen lebte sein Geschäft wie kaum ein anderer. Über die Jahre hat der Enthusiast fast alles gesammelt, was er zu Tabak, Pfeifen und der Kultur des Rauchens in die Finger bekam. Alte Tröge, in denen Kautabak hergestellt wurde, alte Tabakdosen, Werbeplakate, Bücher und und und. In mehreren Räumen im Keller des Geschäftshauses lagert der Fundus für ein ganzes Museum. Mehr als 40 Jahre führte Gerd Jansen sein Geschäft an der Methfesselstraße – 2014 übergab er es an einen Nachfolger: Franz Fleischmann. Ein Enthusiast, genauso wie Jansen. Er half noch einmal pro Woche aus und gab sein Wissen an den Nachfolger weiter. Jetzt ist das vorbei.
„Ich bin dankbar für die Momente, die wir in Gesprächen jenseits von Tabak und Laden zubringen konnten – Gespräche, in denen er seine menschliche Tiefe, Bescheidenheit und Lebensweisheit zum Ausdruck brachte“, sagt Franz Fleischmann. „Dieses Raucherparadies auf Erden werde ich in seinem Sinne und in seinem Namen weiterführen. Das Raucherparadies im Himmel wird er jetzt wohl in Kürze eröffnen, daran habe ich keinen Zweifel. Und eines Tages, wenn es so weit ist, möchte ich dann bei ihm als Compagnon einsteigen.“
Der Rauch der Zigaretten verzieht sich, die Erinnerungen an Gerd Jansen werden bleiben.

Gerd Jansen
Er war gebürtiger Bergedorfer, lernte Offsetdrucker, arbeitete als Quartiersmann im Hafen und erfüllte sich 1971 den Traum von einem eigenen Tabakladen. Mehr als 40 Jahre führte er das Geschäft. Jansen stammte aus einer sozialdemokratischen Familie, der Vater war Tischler, die Mutter Schneiderin. „Bei uns wurde alles repariert, nicht weggeworfen“, erinnerte er sich. Bewahren und weitergeben – so hat er es nicht nur in seinem Geschäft gemacht, sondern auch an seinem neuen Wohnort in Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern. Schon seit mehreren Jahren lebte er dort und hatte Pläne für eine Pfeifenmanufaktur wie in früheren Zeiten. Eröffnen kann er sie nicht mehr. Jansen starb am 17. Februar. Er war schon länger an Krebs erkrankt, zuletzt verschlechterte sich sein Gesundheitszustand akut.
Er hatte sich gewünscht, dass seine Asche über der Elbe verstreut wird. Das geht nicht. Aber er wird auf See bestattet, heißt es aus der Familie. Jansen hinterlässt seine Lebensgefährtin und eine Tochter. Er wurde 73 Jahre alt.
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