Überleben für 36 Stunden

Innenleben eines Bunkers in Eimsbüttel: Aus Angst vor Radioaktivität wurden an verschiedenen Stellen diese schweren Strahlenschutzsteine eingesetzt. Wie auch hier beim Sandhauptfilter, der die Luft reinigen sollte. (Foto: ap)

Bunker an der Henriettenstraße ist bis Ende 2012 zu besichtigen

Aimée Polzin, Eimsbüttel – Sieben Etagen, ein Keller, 1,10 Meter dicke Außenwände – der Bunker an der Henriettenstraße/Ecke Schulweg sollte im Zweiten Weltkrieg gut 750 Menschen vor Bomben schützen. Jetzt bietet der Verein Hamburger Unterwelten regelmäßig Führungen durch den Betonklotz an.
Michael Berndt führt in die Vergangenheit. Der Mitarbeiter des Vereins zeigt die Besonderheiten des 1941/42 erbauten Bunkers. 651 Liege- und 96 Sitzplätze waren in dem Bau vorhanden. Der Bunker sollte einem direkten Bombeneinschlag trotzen. Tatsächlich wurde er einmal getroffen und nur äußerlich beschädigt.
Während des Kalten Kriegs wurde er zum atomsicheren Bunker umgebaut. „Wäre eine Atombombe am Hauptbahnhof explodiert, wäre der Bunker stehen geblieben“, erklärt Berndt. In mehreren Ecken stehen „Strahlenschutzsteine“: Damit sollte im Notfall Radioaktivität abgehalten werden.
Weiter hinein in den quadratischen Bau: Die Flure sind schmal, die Decken hoch. Es hallt. Damals waren die Wände in den Fluren noch mit Leuchtfarbe gestrichen. Zeitzeugen berichteten, dass es dadurch so hell war, dass man Zeitung lesen konnte. Die Schlafräume, jeweils belegt mit sechs Personen, wurden deshalb auch nicht damit gestrichen. Heute sollen Leuchtstreifen an den Seitenwänden noch einen Eindruck vom damaligen Zustand vermitteln.
Eine Küche gab es nicht. Im Gegensatz zu einigen anderen Bunkern auch keinen Tiefbrunnen. Stattdessen hing in jedem Stockwerk ein Notwasserbehälter, der 1000 Liter fasste. Die Lüftungsanlage wurde mit Strom vom städtischen Netz betrieben. Fiel die Elektrizität aus, konnte mit einer schwergängigen Kurbel per Hand die Luftversorgung aufrecht erhalten werden. Notstromaggregate gab es nicht. Maximal 36 Stunden hätten Menschen in diesem Bunker überleben können, in anderen hingegen bis zu zwei Wochen.

Anmeldung zur Tour:
Der Bunker Henriettenstraße 3 ist noch bis Ende des Jahres zu besichtigen. Der Verein Hamburger Unterwelten bietet in Absprache mit dem neuen Eigentümer Führungen an. Der Bunker ist samt Grundstück an das Immobilienunternehmen Wohnbau und Projektentwicklung Hamburg (wph) verkauft worden. Im Frühjahr 2013 soll der Abriss des Bunkers beginnen, an dessen Stelle sind Wohnungen geplant.
Wer Interesse an einer Führung hat, meldet sich unter 20 93 38 64 an. Mehr unter www.hamburgerunterwelten.de
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