Trauer um Steffi Wittenberg

Steffi Wittenberg in der Ida-Ehre-Schule: Hier erzählte sie Schülern von ihrer Lebensgeschichte. Als Jüdin musste sie in den 30er Jahren die damalige Jahnschule verlassen.

Jüdische Zeitzeugin und Antifaschistin ist verstorben

Sie hat Jugendlichen eindringlich von der Verfolgung im Nationalsozialismus erzählt. Sie wollte die Erinnerung an Gräueltaten der NS-Zeit wachhalten. Nun ist sie verstummt: Zeitzeugin Steffi Wittenberg starb im Alter von 89 Jahren. Familie und Weggefährten trauern um eine aufrechte Eimsbüttelerin.
Wittenberg erlebte als jüdisches Mädchen in den 30er Jahren die Diskriminierung in Nazi-Deutschland. Sie musste die damalige Jahnschule (heute: Ida-Ehre-Schule) verlassen, die Vertreibung und Ermordung von Juden begann. Ende 1939, bereits nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, gelang ihr mit ihrer Mutter die Flucht nach Urugay. Vater und Bruder waren bereits 1938 ausgereist. Im Exil arbeitete die junge Steffi Hammerschlag (ihr Mädchenname) im antifaschistischen Komitee mit, organisierte Lesungen und Abendkurse. Dort lernte sie Kurt Wittenberg kennen, den sie später heiratete.

Als Bürgerrechtlerin in den USA unter Verdacht

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 lebte das Paar in Houston, Texas (USA). Sie engagierten sich in der Bürgerrechtsbewegung gegen die Diskriminierung Schwarzer und setzten sich für Streikende ein. Damit gerieten sie in der antikommunistischen McCarthy-Ära unter Verdacht: Gegen beide lagen Haftbefehle vor, ein Ausweisungsverfahren wurde angestrengt. Kurt und Steffi Wittenberg verließen 1951 die USA und zogen nach Hamburg.
Hier wurden beide in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) aktiv, setzten sich für Menschenrechte, internationale Solidarität und gegen Neonazismus ein.
Steffi Wittenberg berichtete Schülern von ihrer Lebensgeschichte – häufig war sie in der Ida-Ehre-Schule, ihrer „alten“ Schule in Eimsbüttel, und der Gedenkstätte Israelitische Töchterschule im Karolinenviertel zu Gast.
Ende März ist Steffi Wittenberg verstorben, am vergangenen Wochenende nahmen Verwandte und Weggefährten Abschied bei einer Trauerfeier. „Ihr wichtigstes Anliegen war Gerechtigkeit. Damit hat sie uns allen den Rücken gestärkt, damit wir in ihrem Sinne weiter machen. Liebe Steffi, Du wirst uns fehlen“, heißt es bei VVN Eimsbüttel.
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