Tierpark-Streit: Claus Hagenbeck will ausmisten

Claus Hagenbeck ist unzufrieden „mit der Entwicklung der letzten Wochen“ und hat deshalb wieder das Ruder beim Tierpark Hagenbeck übernommen. (Foto: Patrick Sun)

Seniorchef steigt wieder ins Geschäft ein: Zoff um Geld, Macht und Ehre

Drei Männer, ein Tierpark, jede Menge Ärger: Bei Hagenbeck gibts gerade ein tierisches Schauspiel – aber ausnahmsweise sind die Hauptdarsteller mal die Herren von der Geschäftsführung. Seniorchef Claus Hagenbeck hat wieder das Ruder übernommen, sein Schwiegersohn Stephan Hering-Hagenbeck tritt zurück in die zweite Reihe. Senior Claus kehrt zurück, weil er nicht einverstanden ist mit dem Kurs, den Co-Geschäftsführer Joachim Weinlig-Hagenbeck in den vergangenen Wochen gefahren ist. Weinlig ist der Repräsentant des anderen Hagenbeckschen Familienclans. Tobt da ein Familienzwist im Hamburger Traditionsunternehmen?
In knappen Faxen teilte der Senior seine Absichten mit – und öffnete damit Spekulationen Tür und Tor. Claus Hagenbeck will für ein paar Monate wieder Chef sein, um offenbar auszumisten. Es gebe „Unklarheiten um diverse Verträge“, die „von Herrn Weinlig Hagenbeck bisher allein und verantwortlich bearbeitet wurden“. Er wolle die Lage nun „persönlich aufklären“.
Gemeint ist damit wohl der Streit um einen Vertrag mit der Stadt Hamburg aus dem Jahr 1996. Darin ging es um einen Grundstückstausch, die Stadt streckte dem Tierpark damals zwei Millionen Euro vor. Diese Summe fordert die zuständige Stadtentwicklungsbehörde BSU seit ein paar Monaten wieder zurück. Weinlig-Hagenbeck verweigert jedoch dem Vernehmen nach die Zahlung, er hält die Forderung für erloschen. Schon im vorigen Herbst attackierte Claus Hagenbeck deshalb Weinlig-Hagenbeck öffentlich. Claus geht es dabei um Familienehre und Anstand. Und jetzt geht es wieder ums Geld.
Was die Herren Hagenbeck nun im Dreierpack vorhaben, lassen sie offen. Anfragen werden derzeit nicht beantwortet. Von der BSU heißt es, man sei über die Rückforderung des Gelds „weiterhin in klärenden Gesprächen mit der Hagenbeck-Gesellschaft“.
Und sonst? Ach ja, das Eismeer. Ein Eröffnungstermin steht immer noch nicht fest. Klar ist aber: Hering-Hagenbeck soll das kalte Baby schaukeln – immerhin etwas.


Demontage per Fax: Auszüge aus den Pressemitteilungen der Hagenbecks
Montag, 26. März:
Claus Hagenbeck begründet seine Rückkehr in die Geschäftsführung: „Die Entwicklung der letzten Wochen hat diese Entscheidung notwendig gemacht.“
Stephan Hering-Hagenbeck führe weiter als Verantwortlicher „die operativen Geschäfte“.
Gut eine Stunde später teilt die Pressestelle des Tierparks mit, Hering-Hagenbeck habe „aus persönlichen Gründen“ die Geschäftsführung niedergelegt.

Dienstag, 27. März:
Claus Hagenbeck kontert „die unabgestimmte Pressemitteilung“ des Tierparks, durch die der „wohl gewollte Eindruck“ entstanden sei, der Geschäftsführer-Wechsel liege in „persönlichen Gründen des Dr. Hering-Hagenbeck oder in internen Auseinandersetzungen innerhalb unserer Familie begründet“. „Dem ist nicht so.“ Zum Schluss wirft Claus Hagenbeck Weinlig-Hagenbeck „gezielt gestreute Falschinformationen“ vor.
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