Theater N.N. wehrt sich gegen das Aus

Sie kämpfen für den Erhalt ihrer Bühne: Theaterleiter Dieter Seidel (Mitte) mit seinen Ensemblemitgliedern Carsten Dworak (v.l.), Krischa Weber, Alena Oellerich und Claudia Schermutzki. (Foto: cvs)

„Keine Beerdigungsfeier!“: Das Team will weitermachen – irgendwie

Christopher von Savigny – Voraussichtlich Ende April fällt der letzte Vorhang für das Eimsbütteler Theater N.N.: Nach vier Jahren ist die Förderung durch die Kulturbehörde ausgelaufen und wird nicht erneuert. Doch sang- und klanglos will sich die kleine Bühne nicht aus der Hamburger Kulturlandschaft verabschieden: Zu einem Treffen am Hellkamp kamen rund 50 Freunde und Förderer, um gemeinsam einen Weg aus der Krise zu suchen. Denn eines steht fest: Das Theater N.N. will weitermachen – irgendwie. „Dies wird sicher keine Beerdigungsfeier!“, sagt Theaterleiter Dieter Seidel.
Es geht um 30.000 Euro, die das Theater bislang jährlich von der Kulturbehörde erhalten hat. Die Summe reicht mal eben für einen Großteil der Miete. Um alles andere – Bühne, Ausstattung, Bewirtung – kümmern sich die Theater-leute ehrenamtlich. Hintergrund für die Streichung ist die angeblich zu niedrige Auslas-tung des Theaters.
Das Kürzel „N.N.“ steht für „Nomen nescio“ – zu deutsch: „Den Namen kenne ich nicht“. Doch mit freien und frechen Interpretationen hatte sich die Off-Bühne im Herzen von Eimsbüttel in den vergangenen elf Jahren durchaus einen Namen gemacht. Ein Grundproblem: Für Werbung war noch nie Geld da. „Ich wohne seit sieben Jahren in der Nachbarschaft und wusste nicht, dass es hier ein Theater gibt“, sagt Anwohnerin Irina Gasoian. Theaterleiter Seidel übt sich in Galgenhumor: „Jetzt stehen wir endlich in der Zeitung – weil wir sterben.“
Doch es besteht vielleicht Hoffnung: In der Bezirkspolitik gibt es Überlegungen zu einer Rettung der Bühne. „Für mich ist das Ding noch nicht gegessen“, sagt Hartmut Obens, Fraktionsvorsitzender der Linken. Die Bezirksversammlung vergebe regelmäßig Sondermittel – auch an kulturelle Einrichtungen. „Die Kürzung kann man der Stadt nicht durchgehen lassen“, meint Obens. Vielleicht, so hoffen die Theatermacher, zeige sich auch der Vermieter, die Nordelbische Kirche, gesprächsbereit.
Am Dienstag, 12. Februar, will das Theater N.N. öffentlichkeitswirksam demonstrieren. Dann wird der Theatereingang am Hellkamp mit Brettern zugenagelt.
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