Theater an der Ida-Ehre-Schule: Fremd ist doch jeder irgendwo

Gruppen, Klischees, Toleranz: Schüler des fünften Jahrgangs studierten ein Theaterstück über Fremdsein und Vorurteile ein.
Hamburg: Ida-Ehre-Schule |

Projektwoche: Schüler studieren Theaterstück mit Profis ein

Der Chor ist noch nicht laut genug. „Stopp!“, ruft Schauspieler Patrick Abozen laut. „Das müsst ihr richtig rufen: Ihr seid hier die Fremden!!! So! Auf!“ Dann klappt es. Aus vielen Mündern schallt laut der Satz. Theaterwoche in der Ida-Ehre-Schule: Der gesamte fünfte Jahrgang arbeitet an einem Stück. Text, Lieder, Kulissen, Tanzszenen – bei allem haben die Schüler von Anfang an ihre eigenen Ideen eingebracht. Fünf erfahrene Theaterlehrer haben gemeinsam mit den Schülern das Gerüst ausgebaut und bis zur Premiere ein fertiges Ganzes gezimmert.
Herausgekommen ist das Stück „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“. Die 115 Fünftklässler gehen darin Fragen nach der Herkunft, nach Ausgrenzung, Toleranz und Andersartigkeit nach. Da sagt ein Junge: „In der Schanze bin ich ein St.-Pauli-Fan, zu Hause bin ich ein Moslem.“ Ein anderer wundert sich: „In der Türkei versteh ich kein Wort. Hier bin ich der Türke.“ Rollen und Klischees, Vorurteile und Offenheit, Gesetze und Menschlichkeit: In diesen Spannungsfeldern loten die Schüler aus, was das eigentlich heißt: fremd zu sein.
Die Texte und Szenen wurden schon vor der Projektwoche aus Besuchen und Diskussionen in den Klassen entwickelt. Ausgangspunkt war zum Beispiel ein Kurzfilm über Rassismus. Die Schüler debattierten darüber, wie Menschen mit einer anderen Hautfarbe in Deutschland beurteilt werden. Und was es bedeutet, einer anderen Religion als der christlichen anzugehören. Für viele Schüler sind dies Fragen nach der eigenen Identität: Viele Jungen und Mädchen oder deren Eltern haben Wurzeln in anderen Ländern als in Deutschland, sind Moslems oder Hindus.
Theaterlehrer Patrick Abozen: „Es macht uns viel Spaß mit den Jugendlichen, wir lernen immer wieder etwas dazu. Das ist ein Geben und Nehmen.“ Wie seine Kollegen Olaf Bublay und Christopher Weymann sowie Tanzchoreograph Tyll Wibben war er zum dritten Mal bei einer Theaterwoche an der Ida-Ehre-Schule dabei.
Auf der Bühne ruft der Chor: „Alle Menschen sind gleich!“ Auch ein Schlusswort.

Appell aus Eimsbüttel

Der Ida-Ehre-Kulturverein fördert die Projektarbeit an der Stadtteilschule und macht sich stark für Flüchtlinge. In einem Fünf-Punkte-Papier fordern mehrere Persönlichkeiten - darunter Pastor Helmut Kirst, Schauspieler Peter Franke, Menschenrechtler Rupert Neudeck und Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke – eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik. Kernforderungen: Arbeitserlaubnis für Flüchtlinge, Ausbildungschancen für jugendliche Zugereiste, Wohnen in kleinen Einheiten sowie mehr Unterstützung von staatlichen Stellen bei der
zivilgesellschaftlichen Hilfe von Bürgern.
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