Tauschtisch: "Bürokratischer Terror"

Bei Anwohnern beliebt, dem Bezirksamt nicht recht: der Tauschtisch am Stellinger Weg. (Foto: pr)

Streit um Nachbarschaftsinitiative: Beteiligte suchen nach einem Kompromiss

Der beliebte Tauschtisch im Stellinger Weg kann vorerst bleiben. Nach einer Welle des Protests riskiert es das Bezirksamt Eimsbüttel offenbar vorerst nicht, sich neuen Ärger aufzuhalsen. Die kleine Tauschbörse, die Anwohner auf einem selbstgezimmerten Tisch eingerichtet haben, liegt vielen Eimsbüttelern am Herzen. In einer Flut von Leserbriefen im Elbe Wochenblatt machten sie ihre Sympathie deutlich. Und viele ließen ihrem Frust und ihrem Ärger über das Handeln des Bezirksamts freien Lauf. „Haben die nichts Besseres zu tun?“, fragten etliche Leser. Eine Anwohnerin meint: „Es ist so unverständlich, warum ein Amt uns mit bürokratischem Terror attackiert, anstatt uns zu unterstützen: Genau hier ist Bürgernähe gefragt, genau hier wünschen sich die Bürger Unterstützung!“
Offiziell gibt es bisher keine Entwarnung: Das Bezirksamt hat das Abräumen des Tisches zwar ausgesetzt, an der grundsätzlichen Einschätzung ändert das nichts. Demnach ist der Tisch im öffentlichen Raum eine unerlaubte Sondernutzung und muss verschwinden.
In der Bezirksversammlung vorige Woche forderte die Linken-Fraktion, solche Bürgeraktionen zu unterstützen. Das Thema wird erst nächste Woche in einem Ausschuss diskutiert.
Derweil gibt es Gespräche zwischen Anwohnern und dem Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD). Das Amt will nach Wochenblatt-Informationen auf alle Fälle Ansprechpartner vor Ort, um den Tisch möglicherweise zu legalisieren. Andere Möglichkeit: Jemand stellt die Tauschbörse auf Privatgrund ab, zum Beispiel ein Restaurant in der Nähe.
Einen erfahrenen Unterstützer haben die Nachbarn bereits: „Beet-Rebell“ Andreas Böhle hat seine Hilfe angeboten und würde sich auch als Pate für die Fläche zur Verfügung stellen. Er stritt 2014 erfolgreich um einen Mini-Zipfel Beet, den er jahrelang gepflegt hatte und den das Bezirksamt mir nichts dir nichts räumen ließ. Aber da hatte das Amt die Rechnung ohne die Eimsbütteler gemacht: Mit massivem Protest brachten sie die Behörde schließlich zum Einlenken. Bleibt abzuwarten, ob Amtschef Sevecke aktuell mehr Gespür für Bürgernähe hat als seine Mitarbeiter vor zwei Jahren.

Das Elbe Wochenblatt dokumentiert hier eine Auswahl der Leserzuschriften.

"Bürokratischer Terror"


Ich frage mich wieder einmal: Für wen ist der öffentliche Raum? Für die Bewohner – oder für das Bezirksamt? Das hatten wir doch schon, unter anderem mit den Blumen. Und nun schon wieder? Der Tauschtisch lädt nicht nur zum Tauschen ein, sondern auch zum Klönen und mit-Leuten-ins-Gespräch-kommen. Das Bezirksamt sollte doch wissen, dass unser Viertel nicht zuletzt wegen seiner Lebendigkeit so beliebt ist! Und dazu gehören halt auch mal kleine Aktivitäten auf öffentlichem Grund, zumal wenn sie niemanden stören und viele erfreuen.
Sollte im Bezirksamt Beschäftigungsmangel herrschen, würde sich doch anbieten, vielleicht mal die Fußwege des Viertels in Ordnung zu bringen.

Hiermit spreche ich mich dafür aus, dass es den Tauschtisch am Stellinger Weg / Ecke Hellkamp weiterhin gibt. Ich habe schon öfters dort Kleinigkeiten getauscht. Es hat mich immer beeindruckt, wie ordentlich es dort ist. Er stört an der Stelle wirklich nicht!

Der Tisch ist nicht im Wege, niemand wird durch ihn gestört, da dort der Bürgersteig breit ist. Kinder habe ich dort häufig beobachtet, die sich über neue Schätze freuen. Ich hoffe ganz doll, dass der Tisch dort bleiben wird.

Dieser Tisch tut Gutes, ist hilfreich und stört keinesfalls. Auch ist der Bereich um den Tisch immer sauber, also überhaupt kein Ärgernis! Das Bezirksamt sollte sich lieber um falsch parkende Autos kümmern (bringt auch Geld in die Stadtkasse), die Überwege und Kreuzungsbereiche für Fussgänger versperren. Leidtragende durch dieses Fehlverhalten sind Personen mit Kinderwagen, Gehhilfen oder Rollstühlen, weil sie nicht immer eine Ausweichstelle zum Überqueren der Straße finden. Noch schlimmer ist es, wenn die Straßen so zugeparkt sind , dass Rettungswege versperrt sind. Das ist ein Missbrauch des öffentlichen Raumes und nicht der Tauschtisch. Vielen Dank, dass sie dieses Thema aufgegriffen haben. Ich hoffe, Ihr Bericht nützt dem Erhalt des Tisches.

Ich finde es großartig, dass einige Anwohner auf die Idee gekommen sind, einen solchen Tisch aufzubauen. Dinge, die vielleicht Nachbarn benötigen, können so unkompliziert den Besitzer wechseln. Der Tisch stört nicht, im Gegenteil, er ist inzwischen ein kleiner Treffpunkt für Anwohner geworden. Er fördert deshalb auch den Zusammenhalt im Stellinger Weg und der Umgebung.
Es ist völlig unverständlich, warum solch ein Tisch nur aus Prinzip vom Bezirksamt Eimsbüttel nicht geduldet werden kann. Es wäre schön, wenn die große Akzeptanz des Tauschtisches im Stellinger Weg dazu führen würde, dass die Mitarbeiter des Bezirksamtes auf die Idee kommen würden, den Tisch nicht abzubauen, sondern vergleichbare Tische an anderen Stellen in Eimsbüttel aufzubauen.


Was sind das bloß für Menschen, die so etwas verbieten wollen! Jedes Mal, wenn ich dort vorbeikomme, sehe ich Menschen, die dort etwas abgeben oder sich etwas mitnehmen. Ich finde auch, dass das Ganze ordentlich aussieht. Gibt es nicht einen privaten Grundbesitzer, der ein kleines Stück zur Verfügung stellen würde und bei Beschwerden seine Erlaubnis zurücknehmen würde?

Es ist mir unverständlich, dass immer wieder Ansätze der Bürger, „ihren“ öffentlichen Raum zu gestalten, so rigoros zu Nichte gemacht werden. Ist doch offensichtlich ein gemeinschaftlicher Wille vorhanden. Solange keine Beschwerden dagegen vorliegen, sollten solche doch für die Allgemeinheit positiven Ansätze toleriert werden. Vielleicht wäre es in diesem Fall eine Lösung, den Kasten auf Räder zu setzen, da er dann ja als beweglich (in Form eines Anhängers) „privat“ dort abgestellt werden darf, oder?!

Auf jeden Fall soll der Tisch bleiben! Wir (Mutter und drei Jungs) haben schon viele nützliche Dinge vom Tisch mitnehmen können. Wir finden, er ist in mehrfacher Hinsicht eine sinnvolle Einrichtung: Es ist gut, Nachhaltigkeit zu unterstützen und gebrauchte Gegenstände, die nicht mehr benötigt werden, nicht wegzuwerfen, sondern denen zur Verfügung zu stellen, die noch einen Nutzen davon haben. Es ist sozial und fördert eine gute Nachbarschaft untereinander, Dinge zu tauschen und weiter zu geben.

Schon wieder so eine Einmischung des Bezirksamtes Eimsbüttel in die Bemühungen der Bürger des Bezirks, ihre Umgebung zu gestalten. Nämlich die Umgebung, in der sie leben und nicht die Damen und Herren vom Amt. Die offenbar nichts anderes kennen als ihre „Verordnungen“. Wenn sie aber denen wirklich folgen würden, wären sie mächtig im Verzuge. Und wer ahndet das?
Es gibt Straßenzüge, in denen das Herbstlaub noch immer liegt. Inzwischen eingefroren. Die Bürgersteige sind die reins-ten Stolperfallen. Das Alibi der Behörde sind seit Jahren völlig vermooste Schilder „Stolpergefahr“. Ganz zu schweigen von den Zuständen auf den Spielplätzen. Ja, ja, einige wurden in den letzten Jahren neu gestaltet. Sogar recht schön. Auf ihnen tummeln sich täglich hunderte Kinder. Hat schon jemals jemand daran gedacht, dass Kinder auch mal „müssen“. Und ihre Begleitpersonen auch.
Steht wohl nicht in den Verordnungen, zu denken. Aber das kennen wir zur Genüge aus anderen Zusammenhängen. Öffentlicher Dienst = Denken verboten!!

Es ist so unverständlich, warum ein Amt uns mit bürokratischem Terror attackiert anstatt uns zu unterstützen: Genau hier ist Bürgernähe gefragt, genau hier wünschen sich die Bürger Unterstützung! Ich bin empört darüber, dass sich diese „Amtsschimmel“ den Hosenboden plattsitzen anstatt uns zu helfen!

So ein Theater um eine solche Sache. Und um andere Sachen, die hier stören und rumstehen, kümmert sich keiner.

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