Tauschtisch bleibt - vorerst

Der Tauschtisch im Stellinger Weg: Anwohner kämpfen für den Erhalt, vorerst wird er nicht abgeräumt. (Foto: pr)

Streit um Tauschbörse: Bürger nervt das Handeln des Bezirksamts Eimsbüttel

Hoppla, das riecht nach Aufruhr. Eimsbütteler Bürger kämpfen für ihren Tauschtisch, den das Bezirksamt Eimsbüttel abräumen lassen wollte. Im Stellinger Weg hatten Anwohner eine Tauschbörse eingerichtet. Doch das Ordnungsamt sieht darin eine unerlaubte Sondernutzung des öffentlichen Raumes. Geht so nicht, meint zumindest die Behörde.
Nach dem Bericht des Elbe Wochenblatts erreichte eine Flut von Leserbriefen die Re-daktion. Einhellige Meinung: Dieses sinnvolle soziale Projekt soll bleiben! Die Behörde rudert erstmal zurück: Vorerst wird der Tisch nicht abgeräumt, stattdessen fahndet das Bezirksamt nach Verantwortlichen, mit denen über eine Lösung des Konflikts gesprochen werden kann.
Auch Politiker schalten sich ein: In der nächsten Bezirksversammlung wird der Tauschtisch auf Vorschlag der Linken-Fraktion Thema sein. Ziel des Antrags: Solche Initiativen sollen unterstützt und nicht bekämpft werden. Die Sitzung beginnt am Donnerstag, 28. Januar, um 18 Uhr. Ort: Bezirksamt Eimsbüttel, 12. Stock (Ferdinand-Streb-Saal).

Das Elbe Wochenblatt dokumentiert hier eine Auswahl der zahlreichen Leserzuschriften.

„Nichts Besseres zu tun?“


Es gibt genug nötigere Dinge, um die sich das Bezirksamt kümmern sollte. Was also stört das Bezirksamt an dem kleinen Tischchen? So eine gute Idee ist es, und wie freue ich mich, wenn dort etwas für mich liegt oder ich überflüssige kleine Dinge hinbringen kann und weiß, es kann noch jemand gebrauchen. Gerade vor einigen Tagen erzählte ich einer Freundin davon, wie schön ich das finde. Wir sagten, davon müsste es viel mehr geben! Es ist doch unsinnig, etwas des Prinzips wegen verbieten zu wollen. Wie ärgerlich!

Ich bin entsetzt, enttäuscht, traurig. Außerdem: Die Begriffe wie Upcycling, Recycling, Repair-Cafe sind in aller Munde, denn wegwerfen ist nicht zeitgemäß! Das scheint an dem Prinzipienreiter Bezirksamt vorbei gegangen zu sein. Eine Schande nenne ich das Ganze.

Ich wünsche, dass unser Tauschtisch bleibt. Er stört niemanden, er bildet einen Treffpunkt, wo sich die Menschen untereinander helfen. Und das muss gefördert und erhalten werden. Lassen Sie uns diese Freude.

Wie viel unmenschlicher, farbloser und „steriler“ soll es in unserer Stadt und unseren Stadtteilen denn noch werden? Welchen Menschen in den Bezirksämtern stört so ein kleiner menschenentworfener und von Menschen genutzter Tauschtisch? Wollen Sie uns total von den Straßen entfernen? Zurückgezogen in Wohnungen, hockend hinter Fernsehen und Elektronik? Lasst ein bisschen Farbe in den Straßen!

Es gibt in Eimsbüttel und der Welt wichtigere Dinge als diesen kleinen Tisch. Von mir aus sollte der Tisch dort bleiben dürfen, zumal einige Nachbarn sich sehr gut darum kümmern, dass Tisch und Umgebung immer sauber und ordentlich aussehen. Verstehen kann ich aber auch die Sorge des Bezirksamtes, dass mögliche Nachahmer nicht immer so sorgsam sein könnten. Vielleicht gibt es eine Genehmigung mit Auflagen?

Das Bezirksamt hat offensichtlich noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt. Dieses kleinkarierte Verhalten nach dem Motto: Unsere Straße muss sauber bleiben – egal, was es ist – ist eine Verschwendung von Ressourcen, die anderswo dringend benötigt werden. Darüber sollten die Verantwortlichen im Bezirksamt einmal nachdenken, es würde den Bürgern gefallen!

Es ist schon erstaunlich, dass es offensichtlich Menschen beim Ordnungsamt gibt, die nicht in der Lage sind, sinnvolles Handeln der Hamburger Bürger von Vandalismus oder Anarchie unterscheiden zu können. Vielleicht sind diese Behörden unterfordert und haben zu viel Zeit?! Wie lässt sich sonst so eine Behördenregelwut erklären?

Ich nutze diesen Tisch immer, wenn ich dort in der Nähe bin. Habe so viele schöne Dinge dort schon hingestellt, kurze Zeit später war alles weg. Ich freute mich, dass Menschen mit den Dingen noch etwas anfangen konnten und ich auf diese Art Freude bereiten konnte. Neulich im Dezember brachte ich, zusammen mit einer Freundin, Weihnachtsartikel dorthin. Am Tisch warteten schon einige ältere Menschen. Mit glänzenden Augen nahmen sie sich, was sie davon gebrauchen konnten. Ich war so berührt davon und hatte selber fast Tränen in den Augen.
Es wäre sehr schade, wenn mal wieder ein Stück Menschlichkeit durch Gesetze und Bestimmungen zunichte gemacht wird.

Es ist eine Frechheit, diese herrliche Einrichtung zu entfernen. Diese zwei Quadratmeter stören keinen Menschen, sind nicht im Weg, es ist eine tolle Einrichtung. Einfach klasse!

Das Bezirksamt sollte sich lieber um die wirklich wichtigen Dinge kümmern.

Sieht man mal wieder, wie kleingeistig und engstirnig deutsche Behörden agieren. Einziger Sprachgebrauch deutscher Ämter: nicht erlaubt, nicht gestattet, verboten. Wem tut dieser Tisch weh. Keinem!!!

Ich würde mich sehr freuen, wenn der Tauschtisch bleiben würde. Ich sehe täglich Menschen etwas hinbringen und andere etwas mitnehmen. Die Anwohner kümmern sich rührend um den Tauschtisch, und alles ist ordentlich und gepflegt.

Auch ich als Eimsbütteler Bürger bin für den Abbau des Tisches und teile insofern die Amtsmeinung. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass des Bürgers „Recht auf Stadt“ bedeutet, dass der öffentliche Raum von jedermann mit „Gutgemeintem“ gestaltet werden darf. Zu den Nutzungen und vor allem ihrer Umsetzung können die Meinungen nämlich auch ziemlich auseinandergehen. Ich zum Beispiel störe mich an dem „Möbel“ und seinem Aussehen. Vom Prinzip eine schöne Idee, aber wenn sie von den Nachbarn so gewünscht ist, dann kann dieser Tisch doch auch auf einem Privatgrundstück stehen, oder? Aber dort will ihn vermutlich dann doch keiner haben.

Die Stadt sollte sich eher über dieses Engagement freuen und diese Initiative unterstützen oder zumindest einen anderen Platz anbieten.

Da wiehert der Amtsschimmel aber tüchtig. Wie schön, dass man behördlicherseits offenbar keine anderen Probleme hat.

Bitte kämpft um unseren schönen Tauschtisch. Wir lieben ihn.


Wem gehört diese Stadt, etwa dem Bezirksamt? Wenn das aktiv werden will, hier ein paar sinnvolle Tätigkeitsbereiche: Müllentsorgung und Dreck an jeder Ecke, abgewetzte Markierungen einschließlich Zebrastreifen auf den Staßen, desolate Fuß- und Radwege, Falschparker in Hülle und Fülle, verrottete oder fehlende Verkehrsschilder! Bitte berichten Sie weiter.

Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen und stilistische Anpassungen vor.
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1 Kommentar
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Peter Gutzeit aus Eimsbüttel | 27.01.2016 | 12:39  
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