Tauschlust in Eimsbüttel

Wie beliebt das Tauschhaus am Stellinger Weg ist

Carsten Vitt, Eimsbüttel

An manchen Tagen geben Spender so viele Sachen am Tauschhaus ab, dass die Fläche eigentlich verdoppelt werden müsste. Von früh bis spät kommen Eimsbütteler aus der Nachbarschaft, um Bücher, Kleidung, Spielsachen und viele andere Dinge an dem Tischchen an der Ecke Stellinger Weg / Hellkamp abzulegen oder sich etwas Brauchbares mitzunehmen. Die Nachbarschaftsbörse ist akzeptiert und beliebt.
Vor einem Jahr setzten sich zahlreiche Bürger für das soziale Projekt ein, das Anwohner im Herbst 2015 gestartet hatten. Denn das Bezirksamt Eimsbüttel wollte den Tisch abräumen, da es keine Genehmigung dafür gab. Nach wochenlangem Protest – unter anderem mit seitenweisen Leserbriefen im Elbe Wochenblatt – schließlich der Erfolg: Der Tauschtisch darf bleiben, wenn ihn jemand beim Amt beantragt. Das übernahm Andreas Böhle. Mittlerweile wurde die Genehmigung um ein Jahr verlängert.
Das Tauschhaus wird immer beliebter, aber manche gutgemeinte Spende beschert den freiwilligen Helfern unnötige Arbeit. „Leider laden ab und zu irgendwelche Leute heimlich hier Sperrmüll ab oder bringen absolut unbrauchbare Sachen“, sagt Andreas Böhle, der sich mit einer Handvoll Aktiver um das Tauschhaus kümmert. Ausschließen möchten die Helfer bis auf Weiteres trotzdem keine Waren. Im Interview mit dem Elbe Wochenblatt gibt Böhle ein paar Tipps, welche Sachen am besten abgegeben werden können.

Elbe Wochenblatt: Worauf sollten Spender achten?
Andreas Böhle: Wir würden es begrüßen, wenn das Ablegen etwas ,liebevoller’ erfolgt und die Sachen nicht nur einfach reingestopft werden. Und es sollte sich immer um noch wirklich gebrauchsfähige Teile handeln. Vor allem Kleidung und sonstige Textilien sollten sauber, am besten gewaschen, und nicht zerschlissen sein. Gut wäre bei Schuhen und Kleidung auch eine Kennzeichnung der Größe.

EW: Was sollte besser nicht abgelegt werden?

Böhle: Keine gefährlichen Dinge wie Messer, Chemikalien oder spitze Werkzeuge, kaputte Dinge und offene Lebensmittel. Zudem würden wir gerne auf Literatur in für uns unlesbarer Schrift (arabisch, chinesisch, japanisch) verzichten, weil wir da nicht beurteilen können, was dort möglicherweise propagiert wird.

EW: Haben Sie schon Gerangel oder Streit beobachtet?
Böhle: Es gibt hin und wieder Beschwerden, weil sich einzelne Nutzer offensichtlich sehr viel einpacken und daher den Verdacht nähren, die Waren auf Flohmärkten zu verkaufen. Das wollen wir nicht fördern, aber Nachhaltigkeit ist eine Grundidee des Tauschhauses. Wenn also über den Flohmarkt-Verkauf Dinge wieder in den Warenkreislauf gelangen und sichtbar arme Menschen einen kleinen Nebenverdienst haben, ist das für uns okay. Das muss man aber immer neu ansprechen, denn leider gibt es auch am Tauschhaus Neid und Missgunst.

EW: Bei der Redaktion beschwerte sich eine Bürgerin, dass offenbar Bücher weggeworfen werden – stimmt das?

Böhle: Das Vernichten von Büchern ist für uns Tabu, wir entsorgen lediglich in Einzelfällen unerwünschte Bücher, zum Beispiel Naziliteratur, Pornografie oder Gewaltverherrlichungen. Das passiert aber nur in Ausnahmefällen und soll auf keinen Fall als Zensur gelten.

EW: Was begeistert Sie trotz des Aufwands am meisten an dem Projekt?

Böhle: Die große Zahl an freiwilligen Helfern, die dort viel Zeit und Arbeit einbringen. Und zusätzlich, dass das Tauschhaus ein Ort der Begegnung ist, wo Nachbarn zusammenkommen. Da sind viele Gruppen an Menschen, die sich immer wieder treffen und miteinander reden. Viele Nutzer als auch Helfer kommen täglich vorbei, weil ihnen das offensichtlich einen zusätzlichen Lebenssinn und Kommunikation bietet. Das freut uns Aktive sehr.

Kann das jeder machen?

Kann ich einfach Sachen vor meinem Haus abstellen?
Nicht generell. Entscheidend ist immer, ob es sich um eine öffentliche Fläche handelt oder um ein Privatgrundstück. Wichtig ist, ob die Kiste oder der Tisch eventuell den Gehweg versperren und zu einer Stolperfalle werden könnten. Dann kann es Ärger geben, wenn etwas passiert.
Grundsätzlich ist es ratsam, bei Tauschbörsen mit Tischen oder einem kleinen Häuschen wie zum Beispiel am Stellinger Weg beim Bezirksamt nachzufragen. Auch für Privatgrundstücke – beispielswiese bei Geschäften oder Restaurants – sind mitunter Genehmigungen erforderlich.

Wo bekomme ich Infos?
Allgemeine Informationen und Genehmigungen gibt es beim Zentrum für Wirtschaftsförderung und Bauen, Grindelberg 66, Tel. 42 82 80, oder beim Fachamt Management des öffentlichen Raumes, Tel. 428 01 35 11.

Konflikt
Nachdem das Bezirksamt Eimsbüttel das von Anwohnern aufgebaute Tischchen im Frühjahr 2016 räumen lassen wollte, gab es eine Welle des Protests. Schließlich stellte sich Anwohner Andreas Böhle als offizieller Ansprechpartner zur Verfügung. Das Amt lenkte ein.
Am Tauschhaus können Anwohner unter anderem Bücher, Kinderspielzeug, kleine Haushaltswaren oder ähnliches ablegen und sich selbst etwas mitnehmen. CV
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