Tatort: Kottwitzkeller

Wolfgang Scholz (l.) und Dieter Tretow im kleinen Vorgarten der Kottwitzstraße 10, der Schaltzentrale des Kottwitzkellers. (Foto: Ben Freier)
Hamburg: Kottwitzstraße |

Kunstaktion in der Kottwitzstraße feiert 20. Geburtstag

Von Ben Freier, Hoheluft
Wenn doch alles so einfach wäre wie im Drehbuch zu dem beliebten Dauerbrenner „Tatort“ in der ARD: Zwei Kommissare ermitteln, mal auch eine Kommissarin, und am Ende weiß man meistens, wer der Täter ist.
Bei Wolfgang Scholz und Dieter Tretow war der Fall komplizierter, die beiden hatten kein Drehbuch und mussten sich erstmal finden. 1980 bummelte der Neuhamburger Scholz in der Schanze herum und ent-deckte den Kunstladen von
Dieter Tretow.
Er verkaufte „Mail-Art“, sammelte also jede Menge Briefe, Karten, Gegenstände und Dokumentationen von Künstlern über ihre Aktionen. Haufenweise Rohstoff, aus dem andere Künstler wiederum schöpfen können. Viel wichtiger: Tretows Laden war ein Treffpunkt und Raum zum Austausch, aus dem Neues enstand.
Dieses Konzept haben die beiden Kunstinteressierten erstmalig 1996 auf, besser gesagt, in die Straße gebracht. In der Kottwitzstraße in Hoheluft-West luden sie zum ersten „Kottwitzkeller“ ein. Und nun geht es wieder los: Unter dem Motto „Tatort“ startet Ende August die 20. Ausgabe des Kulturereignisses (siehe Kasten).
Über 30 Künstler und Künstlergruppen konnten Scholz und Tretow gewinnen, sich zu dem Krimithema Gedanken zu machen. Im Umfeld der Kottwitzstraße begeben sich die Künstler auf Spurensuche. Den Besuchern öffnen sich an zwei Tagen nicht nur die Türen zu verwunschenen Höfen, geheimnisvollen Kellern und dunklen Gewölben oder führen treppauf und treppab in private Wohnungen. Vielmehr erwarten sie an über zehn Örtlichkeiten in der Kottwitzstraße unter anderem ein Verhörraum (Gruppe 147), eine Wahlkabine (Wolfgang Scholz), ein Überfall auf eine alte Dame (Ben Richter), Fahndungsfotos (Michael Meyborg) sowie verblichene Taten (Dieter Tretow). Mit der theatralischen Inszenierung „Der Taschenhonka” von Eva Engelbach und Marcel Weinand geht es sogar tief in die Hamburger Kriminalgeschichte.

Programm

Drei Tage der Kunstspurensicherung sind zur Fahndung ausgeschrieben. Von Freitag bis Sonntag, 28. bis 30. August, können Besucher den „Tatort“ besuchen. Am Freitag um 20 Uhr feiert der Kottwitzkeller sein 20-jähriges Bestehen mit Gästen und Künstlern.
Am Sonnabend ist die Eröffnung um 15 Uhr.
Am Sonntag um 11.30 Uhr spielt das sinfonische Blasorchester Wind & Brass auf.
Nach der Verleihung der „Goldenen Acht”, dem Publikumspreises, um 16 Uhr beginnt die „Tatort“-Reinigung, und die Kottwitzstraße ist (fast) wieder eine normale Straße. An den beiden Ausstellungstagen gibt es kostenlose Führungen.

❱❱ www.kottwitzkeller.de
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