Synagoge bröckelt – jüdische Gemeinde braucht schnell Geld

Ulrich Lohse, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Hamburg, zeigt marode Fenster an der Synagoge Hohe Weide – für ihre Sanierung wurden jetzt 400.000 Euro bereitgestellt. (Foto: cvs)

Allein 1,2 Millionen Euro kosten die dringendsten Arbeiten an dem Bau an der Hohen Weide

Christopher von Savigny, Eimsbüttel – Die Lage ist ernst: Ohne finanzielle Unterstützung droht der jüdischen Gemeinde das Dach über dem Kopf zusammenzufallen – ganz wörtlich gemeint. Denn die gut 50 Jahre alte, denkmalgeschützte Syna-goge in der Hohen Weide ist stark renovierungsbedürftig, wenn nicht gar baufällig. „Allein für die wichtigsten Maßnahmen benötigen wir 1,2 Millionen Euro“, sagt Vorstandsmitglied Ulrich Lohse. Ein Rundgang durch den Sakralbau offenbart das ganze Ausmaß der Schäden, angefangen von den meterhohen Synagogenfenstern mit ihren verrosteten Rahmen: Die Holzdecke im großen Betsaal ist von Würmern zerfressen, die Bestuhlung wackelig und teilweise unbenutzbar. Baumwurzeln haben einen Großteil der Abwasserleitungen zerstört. Das gesamte Gebäude ist von unten her von Feuchtigkeit durchdrungen, das Tauchbad („Mikwe“) ist zu einem ekelerregenden Verlies verkommen. Heizung, Küche und sanitäre Einrichtungen müssten dringend erneuert werden.
Das Problem: Geld hat die Gemeinde keins. Im Gegenteil: Der Haushaltsplan für 2012 weist ein Defizit von knapp einer Million Euro aus. Schuld sind zum Teil die riesigen Energiekosten, die aufgrund der mangelnden Isolierung anfallen. Auch ist der Altersdurchschnitt der Gemeindemitglieder innerhalb der letzten Jahre stark angestiegen. „Das bedeutet: Wir müssen mehr soziale Leistungen erbringen“, erklärt Lohse. Um wenigs-tens ein bisschen Geld in die Kasse zu spülen, hat sich die Gemeinde von einem ihrer Grundstücke getrennt. Von Seiten der Reemtsma-Stiftung besteht eine Spendenzusage – Summe bislang unbekannt. Lohse appelliert an die Öffentlichkeit: „Es geht darum, ein Kulturdenkmal zu retten!“

Erste Hilfe
Auf Antrag der SPD hatte die Bürgerschaft zuletzt 400.000 Euro aus dem „Sanierungsfond 2020“ als Soforthilfe bewilligt. Mit dem Geld sollen jetzt die äußeren Kirchenfenster erneuert werden. Auch die Bürgerschafts-CDU ist aktiv geworden und fordert ein Gutachten, das den gesamten Renovierungsbedarf ermittelt. „Nur mit einer umfassenden Sanierung kann die Substanz des Gebäudes und damit der Fortbestand der Synagoge gesichert werden“, sagt der CDU-Abgeordnete Christoph de Vries.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.