Studierenden reichts: Protest gegen Wohnungsnot

Mit „Stadtteil-Rundgängen“ machten Studierende auf die schlechte Wohnsituation aufmerksam. Rund 300 Polizisten waren im Einsatz, um die unangemeldete Demonstration zu stoppen. Später konnte der Zug seine Route fortsetzen. (Foto: ap)

Teure Zimmer, monatelange Suche: Die Misere auf dem Wohnungsmarkt

Aimée Polzin, Eimsbüttel – Suche Zimmer“ oder „Bin auf Wohnungssuche“ – jede Menge solcher Zettel hängen an Pinnwänden in den Uni-Gebäuden. Das Semester hat bereits angefangen, doch an manchen Annoncen sind noch alle Abreiß-Zettelchen dran. So auch bei Anna (24), die noch bei ihren Eltern wohnt, weil sich keiner auf ihren Suchzettel hin meldet. Auch Meike (19), die ein Jura-Studium begonnen hat und nur zur Zwischenmiete wohnt, sucht eine WG. Willem (28) kommt gerade von einem Auslandsaufenthalt zurück und sucht seit eineinhalb Monaten nach einer Bleibe. Im Moment schläft er noch bei Freunden.
Zimmer in Wohngemeinschaften gibt es kaum unter 350 Euro im Monat. Studierende müssen oft tief in die Tasche greifen, um eine Bleibe zu finden. Dagegen regt sich nun Protest. Am vorigen Sonnabend gab es im Uni-Viertel „Stadtteil-Rundgänge“ zu leerstehenden Gebäuden. Vom Uni-Gelände aus zogen zwei Protestgruppen los. Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei: Die „Stadtteil-Rundgänge“ waren nicht als Demonstration angemeldet. Rund 300 Polizisten sollten die Protestierenden in Schach halten. Ein rund 150-köpfiger Demozug wurde in der Johnsallee von der Polizei eingekesselt.
Die Aktion der Studierendenvertretung AStA und der Gewerkschaftsjugend richtete sich gegen steigende Mieten, Wohnungsnot, Gentrifizierung und die Wohnungspolitik des Senats. Da die Studierenden auch Hausbesetzungen geplant hatten, stellte sich die Polizei schützend vor mehrere entmietete Gebäude.
Auch vor dem Geschäft von Köhler & von Bargen Immobilien (bekannt durch das Bernhard-Nocht-Quartier in St. Pauli) wurde angehalten. Parolen wie „Häuser besetzen: sowieso! Mieten verweigern! Kündigung ins Klo!“ hallten durch die Straßen. Die Demo endete, als sich die beiden Stadtteilrundgänge zusammenschlossen und zum Schröderstift gingen, einem Wohnprojekt, das ab 1981 von Mietern selbst verwaltet wird.

Nicht genügend Plätze in Wohnheimen


Alex (20) aus Polen, die vor kurzem ihre Gastfamilie verlassen hat, hat schon 20 Besichtigungen hinter sich. Ein Freund ihres Vaters lässt sie nun vorübergehend seine Wohnung nutzen. Das Ein- und Ausziehen bedeutet „viel Stress“, besonders wenn man „auch noch das Studium und die Arbeit“ regeln muss, klagt Alex. So geht es vielen Studierenden.
In Hamburg gibt es 5.300 Studentenzimmer in Wohnanlagen. 35 bis 50 Prozent der Plätze sind für Studenten aus dem Ausland reserviert. Darüber hinaus gibt es auch Wohnanlagen nur für Studentinnen mit Kindern oder Plätze nur für Musikstudenten. Bei 57.000 Studierenden bekommen gerade einmal um die 9,3 Prozent einen Platz! Der Großteil der Studierenden muss also auf dem überteuerten Wohnungsmarkt nach Zimmern suchen.
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