Studieren in Ruinen

Stapel von Büchern, Nächte vor dem Monitor: Da müssen Studierende durch. Im Elbe Wochenblatt schreibt eine Studienanfängerin über ihre Erlebnisse an der Universität Hamburg. (Foto: fk)

Abenteuer Studium: Die Kolumne im Elbe Wochenblatt

Franziska Kühn, Eimsbüttel – Der Zustand vieler Universitätsgebäude steht in einem schlechten Ruf. Sie sollen so marode sein, dass Experten seit Jahren über Abriss oder Renovierung streiten. So auch das Geomatikum an der Bundesstraße, gebaut 1975. Architektonischer Stil: Brutalismus. Wenn man Berichte über die kaputte Bausubstanz liest, könnte man fürchten, die Treppe im zwanzigsten Stock bräche beim Betreten womöglich weg oder die schimmeligen Wände in den Seminarräumen müssten einem die Luft zum Atmen rauben.
Seltsamerweise habe ich weder Schimmel noch morsche Treppen entdeckt. Im Gegenteil. Das Gebäude hat auch seine Reize. Die Eingangshalle des Geomatikums ist einzigartig. Vor ihrer erfrischenden grün-blauen Licht-Glas Konstruktion fühlt man sich schon fast wie in der Natur. Messgeräte informieren den interessierten Besucher unter anderem über den aktuellen Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und die Außentemperatur. Ein in den Boden eingelassenes Forum – „die Badewanne“ genannt – erinnert an ein antikes Theater. Auf dem Weg zur Toilette im Untergeschoss lacht einen das Skelett eines Höhlenbärs an. Auch der Ausblick über Hamburg vom obersten Stock des Geomatikums ist beeindruckend. Das Betreten des Außenrundgangs ist allerdings – außer für Fensterputzer – streng verboten.
Im 14-stöckigen Philturm sind seltsame Vorbauten vor den Fensterfronten angebracht. Es wird gesagt, damit man nicht mehr so leicht springen kann. Im Gegensatz zum pieksauberen Geomatikum wähnt man sich in den Fahrstühlen des Philturms zuweilen in der Bronx. Obszöne, pubertäre Kritzeleien und Sprüche an allen Wänden. Wie alt muss man eigentlich sein, um studieren zu dürfen?

Die Kolumne

Neu an der Uni: Eine aufregende Zeit, viele Eindrücke, viele neue Gesichter. Fran-ziska Kühn aus Eimsbüttel ist 19 Jahre alt und studiert Geografie. In ihrer Kolumne im Elbe Wochenblatt steht, was sie an der Universität Hamburg erlebt.
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