Streiten für einen friedlichen Islam

Setzen auf Dialog, wollen verunsicherte Jugendliche gegen Radikalisierung wappnen: Hassnat Ahmad (l.) und Abdullah Wagishauser von der Ahmadiyya Muslim Jamaat.
 
Daud Ata aus Eidelstedt engagiert sich gegen radikale Islam-Lehren: Er versucht Jugendliche über einen religiösen Dialog zu mäßigen.
Von Carsten Vitt. Das Klima ist frostiger geworden. Seit den Anschlägen radikaler Islamisten in Paris und Kopenhagen begegnen viele Menschen Muslimen mit Skepsis oder Argwohn. In Stellingen gibt es seit den 50er Jahren eine Moschee der Ahmadiyya-Gemeinschaft. Die Gläubigen stehen für einen reformorientierten Islam, suchen den Dialog mit anderen Religionsvertretern und den Nachbarn im Viertel. Wo sonst mehrmals am Tag gebetet wird, stehen nun Plastikstühle bereit für die Besucher: Die Ahmadiyya Muslim Jamat (AMJ) will in der Wieckstraße für ihren zeitgemäßen Islam werben.
Die AMJ grenzt sich deutlich ab von einer kriegerischen Auslegung der islamischen Lehre: „Ungläubige“ töten, Gefangene nehmen, Frauen ausnutzen – für all das, was im Namen des Islam in Syrien oder Irak verübt wird, gebe es keine Rechtfertigung im Koran. „Wir haben eine Verantwortung, uns davon zu distanzieren“, sagt der junge Imam Said Ahmed Arif. Die Botschaft der Ahmadiyya: „Liebe für alle, Hass für keinen.“ Mitglieder der Gemeinschaft bemühen sich, vor allem Jugendliche aufzukären und davon abzuhalten, sich radikalen Islamisten anzuschließen.
Daud Ata aus Eidelstedt engagiert sich zum Beispiel seit Jahren mit einem Bildungsprojekt, um Heranwachsenden Chancen und Perspektiven zu geben. Er sucht den Dialog: „Meist fühlen sich diese Menschen schon abgehängt, perspektivlos und ausgegrenzt. Sie suchen einen Ausweg aus ihrer persönlich empfundenen sozialen Ungerechtigkeit“, sagt er im Interview mit dem Elbe Wochenblatt. Der 34-Jährige setzt auf einen Dialog: „Viele sind gar nicht so engstirnig, wie allgemein gedacht wird. Sie lassen sich auf einen Austausch zu religiösem Verständnis und Demokratie ein.“
Wie steht die Ahmadiyya zu den heiklen Mohammed-Karikaturen, die viele Muslime weltweit erzürnt haben? „Mit Strichmännchen-Zeichnungen habe ich kein Problem. Aber es gibt auch Grenzen, zum Beispiel, wenn sexistische Karikaturen gezeigt werden“, sagt Abdullah Wagishauser, Bundesvorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinschaft.
Klar sei aber: „Da dürfen wir nicht mit Gewalt vorgehen, das nimmt Allah in seine Hand“, so Wagishauser.

Ahmadiyya

Die Ahmadiyya Muslim Jamat (AMJ) ist eine ursprünglich aus Pakistan stammende islamische Gemeinschaft. In ihrem Heimatland wird sie nicht anerkannt, teilweise werden Mitglieder verfolgt. Seit 1923 sind Gläubige der als reformorientiert geltenden Glaubensrichtung in Deutschland. „Wir sind liberal, aber wertekonservativ“, sagt der Bundesvorsitzende Abdullah Wagishauser.
1957 wurde die Moschee in der Wieckstraße in Stellingen eröffnet. Die Stellinger Gemeinde zählt etwa 250 Mitglieder. Die AMJ engagiert sich in sozialen Projekten und setzt auf gute Nachbarschaft. Jährlich lädt die Gemeinde am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) zu einem Tag der offenen Moschee ein.
In Deutschland bildet die AMJ an einer eigenen Schule Imame aus. Sie werden angehalten, auch auf Deutsch zu predigen. Hamburgweit gehören etwa 2.500 Mitglieder zur AMJ. ❱❱ www.ahmadiyya.de
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