Streikpause bei Neupack – wie geht es weiter?

„Mahnwache“ vor dem Werkstor: Die Gewerkschaft hat den Streik bei Neupack in Stellingen vorerst ausgesetzt. Etliche zuvor streikende Mitarbeiter konnten jedoch nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Tarifkampf: Kann ein Schlichter zwischen Gewerkschaft und Geschäftsführung vermitteln?

Sie stehen um einen großen Stahlkübel mit Grillkohle herum, wärmen sich die Hände. „Mahnwache“ vor dem Werkstor: Vorige Woche hat die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) den seit Anfang November andauernden Streik beim Verpack-ungshersteller Neupack ausgesetzt. Doch der Konflikt geht mit verhärteten Fronten weiter.
Etliche Mitarbeiter wissen derzeit nicht, ob sie weiterarbeiten dürfen. Der Betrieb wurde überrascht und wusste offenbar nicht so recht darauf zu reagieren, dass die streikenden Mitarbeiter zurückkehren. „Uns wurde gesagt, wir sollen Urlaub nehmen“, sagten mehrere Beschäftigte übereinstimmend. Als sie dies ablehnten, seien sie vom Betriebsleiter erst einmal freigestellt worden. Eine Vorstufe zur Kündigung?
Laut Gewerkschaft sind 33 Rückkehrer wieder weggeschickt worden. Neupack hingegen spricht davon, dass alle Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze zurück-kehren konnten. Es ist nicht der einzige Punkt, in dem sich die Mitteilungen von Gewerkschaft und Betriebsleitung widersprüchlich gegenüber stehen. Es ist eine ziemlich undurchsichtige Lage bei diesem Tarifkampf.
Für die Streikenden und Kollegen stehen offenbar auch ihre Arbeitsplätze auf dem Spiel: „Neupack hat durch den Streik deutliche Umsatzrückgänge erfahren und wird darum kämpfen müssen, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen“, sagt Unternehmenssprecher Lars Krüger. Der Betrieb hatte zusätzliche Arbeitskräfte angeheuert, um die Produktion am Laufen zu halten. Ob nun alle Mitarbeiter der vorherigen Belegschaft weiter beschäftigt werden, scheint unklar.
Die IG BCE hat vorige Woche Gespräche mit einem Vermittler vorgeschlagen, die Geschäftsführung ist darauf bisher nicht eingegangen. Parallel dazu versuchte Neupack vor Gericht, den Streik zu unterbinden – ohne Erfolg.
Während die Gewerkschaft einen allgemeinen Tarifvertrag für Neupack fordert, will die Geschäftsführung Löhne und Arbeitsbedingungen weiter über Einzelveträge mit den Mitarbeitern regeln.

Harter Tarifkampf – ein paar Szenen


Alle Register ziehen und immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisieren: Diese Taktik fahren die Konfliktparteien Gewerkschaft und Neupack – drei Beispiele.
Krasse Vorfälle ausschlachten: Am Freitag scheiterte ein Vorstoß der Geschäftsführung, den Streik gerichtlich zu unterbinden. Hintergrund waren Vorfälle in Rotenburg/Wümme, wo ein Zweigwerk von Neupack ist. Ein Leiharbeiter des Betriebs wurde attackiert und schwer verletzt. Neupack argumentierte, dass die Gewerkschaft die Kontrolle über den Streik verloren habe. Die IG BCE verurteilte die Vorfälle, sah sich für diese Ereignisse aber nicht verantwortlich.
Sich taub stellen: Von dem Gesprächs- und Vermittlungsangebot der Gewerkschaft will die Neupack-Geschäftsführung bisher „nur aus der Presse“ erfahren haben. „Dies ist für uns nicht die richtige Plattform, auf der man kommuniziert“, so Unternehmenssprecher Lars Krüger.
Aussperren: Diesen Montag soll Gewerkschaftssekretär Rajko Pientka der Zutritt zum Neupack-Werk in Stellingen verweigert worden sein. Pientka wollte auf einer Betriebsversammlung zur Belegschaft sprechen, doch Sicherheitskräfte hätten ihn nicht ins Werk gelassen, so die IG BCE.
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2 Kommentare
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Bernhard Kaiser aus Eimsbüttel | 31.01.2013 | 13:28  
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Karsten Strasser aus Altona | 31.01.2013 | 15:36  
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