Stellingen: Anwohner wollen keine Neubauten am grünen Spannskamp

Die Siedlung am Spannskamp entstand in den 1960er Jahren. Die für die 60er Jahre typische aufgelockerte Bauweise weckt inzwischen Begehrlichkeiten bei den Planern. Sie wollen hier zusätzliche Neubauten für Wohnungen errichten. (Foto: rs)

270 neue Wohneinheiten: Unmut über Pläne des Bezirksamts

Reinhard Schwarz – Spannskamp in Stellingen: Eine grüne Wohn-Oase zwischen Kieler Straße und dem ebenfalls viel befahrenen Sportplatzring. Gebaut in den 1960er Jahren, mit großzügigen Abständen zwischen den Wohnblocks, dazwischen viel Rasen und viele Bäume. Doch mit dem Grün und der Ruhe könnte es bald vorbei sein, befürchten viele Anwohner. Mitarbeiter des Bezirksamts Eimsbüttel stellten im Stellinger Rathaus die ersten Entwürfe des Bebauungsplans Stellingen 66 vor. Es gibt zwei Varianten für zusätzliche mehrgeschossige Wohnhäuser – vorgesehen sind rund 270 neue Wohnungen.
Doch damit stießen die Bezirksamtsmitarbeiter auf die fast einhellige, wütende Ablehnung der anwesenden Spannskamp-Anwohner. Die Abgesandten des Bezirksamts sowie einer Planungsfirma wurden mit kritischen Fragen förmlich überschüttet. „Waren Sie schon einmal in der Siedlung? Denn bei beiden Varianten befürchte ich, dass viele Wohnungen keine Sonne mehr bekommen“, sagte eine Mieterin. „Wir haben viele Bäume: Darf man die dann abholzen für die Neubauten?“, wollte eine andere Frau wissen. „Wir leben in einer Parterrewohnung, da ist es jetzt schon sehr dunkel. Durch die Neubebauung wird es vermutlich noch dunkler“, äußerte sich eine andere Mieterin.
Die Behördenvertreter versuchten, zu beschwichtigen. Vergeblich. „Wir stehen ganz am Anfang des Verfahrens“, sagte eine Mitarbeiterin. Bei den präsentierten Entwürfen handele es sich vorerst „um eine städtebauliche Studie, um Möglichkeiten“. Die Versicherung, wonach „jeder Baum, der weggenommen wird, ersetzt wird“, wurde mit Hohngelächter quittiert.
Andere Mieter erinnerten entnervt an den Baulärm der jüngsten Zeit: „Seit neun Jahren wird am Spannskamp gebaut, zuletzt wurden Balkons renoviert. Jetzt soll in anderthalb Jahren wieder gebaut werden.“ Die Ankündigung, wonach Einwendungen von Bürgern entsprechend dem Baugesetzbuch berücksichtigt würden, wurde mit Misstrauen aufgenommen. Eine Anwohnerin fragte: „Dürfen wir nur unsere Kritik äußern – und dann wird das doch durchgezogen?“

Wie geht es weiter?
Aktuell gilt im Bereich Spannskamp der Bebauungsplan (B-Plan) Stellingen 51 / Lokstedt 51, der keine zusätzliche Wohnbebauung zulässt. Der neue B-Plan Stellingen 66 soll weitere Wohnhäuser ermöglichen. Die Diskussion mit Bürgern vor Ort soll in einer der nächsten Sitzungen des Stadtplanungsausschusses ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage wird ein Entwurf erstellt, der mit allen zuständigen Behörden, aber auch Versorgungsunternehmen, abgestimmt wird. Letztendlich muss die Bezirksversammlung dem daraus erstellten Bebauungsplan zustimmen.
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