Ständig von Abschiebung bedroht: Ein Stellinger Schüler erzählt

Rashad Babayew (19) besucht die 13. Klasse an der Stadtteilschule Stellingen. Er muss ständig fürchten, abgeschoben zu werden. Doch er möchte unbedingt das Abitur machen und seinen Teil zum Miteinander beitragen. Foto:cv
Einfach mal ein Wochenende raus, den Horizont erweitern, etwas Anderes sehen. Für die meisten Hamburger ist das selbstverständlich. Für Rashad Babayew (19) ist das so gut wie unmöglich. Weil er hier nur „geduldet“ ist. Er darf nicht aus der Stadt raus. Eigentlich müsste er mit seiner Familie schon seit Jahren das Land verlassen haben, wenn es nach der Ausländerbehörde ginge. Doch er kämpft, um zu bleiben, und will seinen Beitrag für die Gesellschaft leisten.
Rashad wurde 1991 in Baku (Aserbaidschan) geboren. Ein Jahr später wanderte die Familie nach Russland aus. Dort wurden Aserbaidschaner jedoch diskriminiert, Rashad durfte nicht zur Schule gehen. 2002 floh die Familie nach Deutschland. „Meine Eltern wollten uns eine gute Zukunft ermöglichen“, sagt er.
Heute geht er in die 13. Klasse an der Stadtteilschule Stellingen. Er hat gute Noten, lernt gern. Er interessiert sich besonders für Philosophie, nächstes Jahr möchte er sein Abitur machen – dann studieren, wenns klappt. „Am liebsten Politologie und Volkswirtschaft“, sagt Rashad und blickt ernst aus seinen dunklen Augen.
Doch vor allen Plänen steht der Gang zur Ausländerbehörde an. Regelmäßig muss er seine Duldung verlängern lassen. Die Angst ist immer dabei, dass was schiefgeht. Mal sind es zehn Tage, mal drei Monate, dann muss er erneut zum Amt. „Das ist ein Teufelskreis“, sagt Rashad.
Er kann nicht verstehen, warum die Gesetze so sind. „Warum schmeißt man absichtlich Leute raus, die man braucht?“, fragt er. Er hat Ideen, engagiert sich bei Jugendliche ohne Grenzen, einer Menschrechtsorganisation für Flüchtlinge. Sein Berufswunsch: „Als Berater anderen Menschen helfen, die in der gleichen Lage sind wie ich.“ Und er würde Gesetze ändern, die für ihn widersprüchlich sind. Ein Beispiel: „Wir sollen für uns selbst sorgen, bekommen aber keine Arbeitserlausbnis. Das ist doch unlogisch!“
Nicht reisen zu können – „das ist wie ein Knast ohne Gitter“, sagt der 19-Jährige. Aber in diesem Knast nutzt er alle Chancen, um vielleicht doch aus ihm ausbrechen zu können. Um „ganz normal leben zu können“, wie er es sich wünscht.

Info:

Von Abschiebung bedroht: Der ETV-Fußballer Saikou Ceesay war der jüngste, aufsehenerregende Fall. Saikou war gerade 18 geworden, wurde von der Ausländerbehörde in Abschiebehaft gesteckt. Nur auf großen öffentlichen Druck hin durfte er in Hamburg bleiben. Es gibt hunderte Schicksale wie die von Saikou und Rashad. Laut Einwohnerzentralamt wurden 2009 673 Menschen in Hamburg geduldet, ein Jahr zuvor 423. Wie viele Menschen dann ein Bleiberecht bekommen, werde nicht erfasst. 451 Menschen wurden 2010 abgeschoben, ein Jahr zuvor 482. Vor fünf Jahren waren es 1.161. CV
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