Spurensuche: Die ehemaligen Kasernen in der Bundesstraße

Wann? 11.01.2013 19:00 Uhr

Wo? Galerie Morgenland/Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, Sillemstraße 79, 20257 Hamburg DE
Von den Gebäuden ist nichts mehr übrig: Abriss der alten Kaserne an der Bundesstraße 1963. (Foto: Staatsarchiv Hamburg (Conti-Press))
Hamburg: Galerie Morgenland/Geschichtswerkstatt Eimsbüttel |

Ausstellung und Veranstaltungsreihe in der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel

Die Gebäude sind schon lange abgerissen, nichts erinnert mehr an die ehemaligen Kasernen an der Bundesstraße in Eimsbüttel. Eine Gruppe um den Historiker Peter Offenborn will das ändern: In den vergangenen Monaten haben sie recherchiert und geforscht zur Geschichte des Areals zwischen Sedanstraße und Papendamm, auf dem heute naturwissenschaftliche Fakultäten der Universität untergebracht sind. Nun präsentiert die Projektgruppe in der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel eine Ausstellung mit ersten Erkenntnissen und Fundstücken. Einige Schlaglichter aus den Recherchen.
In der Bundesstraße 54 wurde 1869 mit dem Bau einer Kaserne begonnen, ein zweites Gebäude entstand in der Bundesstraße 45 ab 1897. Die dort untergebrachten Regimenter kämpften 1870/71 im Krieg Preußens gegen Frankreich, im Ersten Weltkrieg ab 1914 ebenfalls in Frankreich. Während der Novemberrevolution 1918 protestierten Soldaten und Arbeiter vor den Kasernen, die Demonstranten wurden beschossen, es gab bis zu zehn Tote.
In den 1930er Jahren waren an der Bundesstraße Polizeieinheiten stationiert, unter anderen das Polizeibataillon 101, dessen Mitglieder ab 1939 an Massenerschießungen in Polen beteiligt waren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Kasernen als Unterkünfte für Flüchtlinge und Wohnungslose. 1962 und 1978 wurden die Gebäude abgerissen, um Platz für die Universität zu schaffen.
Aktuell soll auf dem Areal die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät erweitert werden. Die Projektgruppe möchte Impulse geben, einen Gedenk-, Erinnerungs- und Lernort zu der miltärischen Vorgeschichte zu schaffen. „Wir wollen erreichen, die Erinnerungen an die deutsche Geschichte in die Bauvorhaben der Universität Hamburg zu integrieren“, heißt es.
Die Ausstellung in der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, Sillemstraße 79, ist bis Mittwoch, 6. Februar, zu sehen. Öffnungszeiten: Täglich (außer montags) von 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltungen: Der Überblick


– Freitag, 11. Januar, 19 Uhr: Die ehemaligen Kasernen in der Bundesstraße, ein historischer Ort (Ausstellungseröffnung), Eintritt frei.
– Donnerstag, 17. Januar, 19.30 Uhr: Geschichte der Kasernen in der Bundesstraße – ein Erinnerungsort! (Vortrag von Peter Offenborn)
– Donnerstag, 31. Januar, 19.30 Uhr: Strategien und Formen des Erinnerns – Modelle des Widerstands in der Kunst (Vortrag von Gerd Stange).
– Donnerstag, 14. Februar, 19.30 Uhr: Flüchtlingsaufnahme und Eingliederung im Hamburg der Nachkriegszeit (Vortrag von Evelyn Glensk).
– Donnerstag, 7. März, 19.30 Uhr: Die Hamburger Ordnungs- und Schutzpolizei im Nationalsozialismus (Vortrag von Herbert Diercks).
Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, Sillemstraße 79, Eintritt für Vorträge: drei Euro.
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