So wohnt Hamburgs Frank Sinatra

US-Flaggen, Marylin Monroe-Kissen, Plakate von Stars im Wohnzimmer: Joe Stufford lebt den amerikanischen Lebensstil. (Foto: KP Flügel)

Ein Eidelstedter singt die großen Hits der amerikanischen Entertainer

K.P. Flügel, Eidelstedt

In einem Eidelstedter Hochhaus lebt Hamburgs Frank Sinatra. So nennt sich der 82-Jährige, der unter dem Künstlernamen Joe Stufford auftritt. Sein richtiger Name? „Nicht wichtig“. Er lebt für die Bühne. Dort schlüpft er in die Rolle der Crooner-Legenden Frank Sinatra, Bing Crosby und Dean Martin und singt deren Klassiker „You‘re Sensational“, „New York, New York“ oder „That‘s Amore“. Die Wände seiner Wohnung sind mit Hollywood-Filmpostern, Auftrittsplakaten und USA-Fähnchen dekoriert.
„Gesungen habe ich schon immer, seit meinem vierten Lebensjahr, genauso wie mein Vater. Damals wohnten wir in der Grabenstraße im Karolinenviertel. Wenn wir das Fenster aufgemacht haben, lauschte die ganze Nachbarschaft“, erzählt der Entertainer. Er selbst hat weder Gesangs- oder Schauspielunterricht nehmen können, geschweige denn eine Berufsausbildung absolviert. „Ich war einfacher Arbeiter, habe im Hafen, bei der Müllabfuhr und zum Schluss bei der Post gearbeitet. Meine Mutter war so arm. Wir waren vier Kinder. Mein Vater ist im Krieg gefallen. Wir konnten keinen Beruf lernen.“

Zehn Jahre trat er im Schmidt’s Theater auf


Während eines Urlaubs fragte ihn ein Spanier, der ihn singen hörte: „Weißt Du eigentlich, dass Du wie Frank Sinatra klingst?“ Für ihn Ansporn, die Medien auf sein Können aufmerksam zu machen. 1992 rief er bei SAT.1 an: „Haben Sie mal ein Ohr für jemanden, der noch nicht so bekannt ist? Ich singe wie Frank Sinatra. Kann ich Ihnen mal etwas vorsingen?“ Eine halbe Stunde später stand Monica Lierhaus mit einem Kamerateam vor seiner Wohnungstür. „Ich habe mich auch beim NDR beworben. Als ich in einer Kneipe auf St. Pauli gesungen habe, fand mich Monika Klein so fantastisch, dass sie Corny Littmann vom Schmidt’s Theater angerufen hat. Dann bin ich zehn Jahre lang dort aufgetreten.“
Woher rührt seine Begeisterung für den amerikanischen Lebensstil? „Das kann ich
genau sagen. Wir waren so arm, wohnten in Baracken auf dem Heiligengeistfeld und hatten nichts zum Essen. Dann kamen die Care Pakete aus Amerika. Daher bin ich so amerikanisiert.“

Benefizkonzert nach Terrorangriff

Joe Stufford ist noch heute voller Dankbarkeit für die
Hilfe, die Amerika nach dem Krieg in Deutschland leistete. Er will etwas zurückgeben: Ein Jahr nach dem Terroranschlag auf die Twin Towers in New York rief er im amerikanischen Konsulat an, da er gern für die Hinterbliebenen und Helfer ein Benefizkonzert geben wollte. „Da bin ich dann zwei Stunden aufgetreten“, sagt er sichtlich gerührt. „Selbst die Feuerwehrleute aus New York haben sich bei mir dafür bedankt.“
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