So spart Eimsbüttel bei Kindern und Jugendlichen

Rapper-Auftritt in der Lenzsiedlung: Mit dem Musikprojekt in der Hochhaussiedlung konnten benachteiligte Jugendliche Selbstbewusstsein aufbauen, etwas zeigen. Das Geld wird voraussichtlich gestrichen, das Projekt steht vor dem Aus. (Foto: pr)
 

Sozialen Einrichtungen werden etwa 362.000 Euro gestrichen

Jetzt liegt die Streichliste auf dem Tisch: In der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Eimsbüttel werden ab 2013 etwa 362.000 Euro gekürzt. Im Bezirk gibt es nun erste Vorschläge, wie die Sparvorgaben des SPD-Senats erfüllt werden können. Es trifft Jugendclubs, Bauspielplätze, Musikprojekte und andere Angebote für Kinder und Jugendliche in den Stadtteilen.
Laut der Streichliste könnten bei bezirklichen Einrichtungen 100.000 Euro wegfallen, bei freien Einrichtungen – etwa Bauspielplätzen oder Betreuungsangeboten in Problemvierteln – insgesamt 234.000 Euro. Zwischen 13.000 und 40.000 Euro haben die Anbieter jeweils weniger zur Verfügung.
Klingt nicht nach viel, hat aber Folgen. In der Regel muss der jeweilige Verein auf Personal verzichten – es fallen meist halbe Stellen weg. Folge: Die gleiche Arbeit muss vom übrigen Personal erledigt werden, es werden Honorarkräfte eingestellt oder Öffnungszeiten eingeschränkt. „Darunter leidet die Qualität der Arbeit, die Verbindlichkeit und Verlässlichkeit den Kindern und Jugendlichen gegenüber“, warnt Wolfgang Heimann vom Abenteuerspielplatz Eimsbüttel-Nord.
Beispiel: Das Musikprojekt in der Lenzsiedlung erhielt bisher 13.000 Euro – das Geld wird voraussichtlich gestrichen. Kinder und Jugendliche aus schwierigen familiären Verhältnissen konnten sich dort als Rapper, Tänzer oder Musiker ausprobieren. „Daraus ist viel entstanden, die Teilnehmer konnten was zeigen, Selbstbewusstsein aufbauen“, so Ralf Helling vom Verein Lenzsiedlung. „Ohne das Geld ist das erstmal tot.“
Weitere 22.000 Euro werden in der Lenzsiedlung gestrichen – eine halbe Stelle weniger. Die Öffnungszeiten in Kinderclub und Jugendhaus müssten hal-biert werden. Das heißt:Weniger Hausaufgabenhilfe, Tipps zur Jobsuche, Hilfe bei persönlichen Problemen in einem für die Jugendlichen vertrauensvollen Rahmen – Unterstützung fällt weg. Helling warnt: „Nur über solche offenen Angebote kann man bestimmte Jugendliche überhaupt erreichen.“
Der Jugendhilfeausschuss will demnächst die Streichliste beraten, die betroffenen Einrichtungen kündigten Proteste an.


Hintergrund: Büffeln statt Baui?

Immerhin:Während in anderen Bezirken ganze Spielhäuser vor dem Aus stehen, werden in Eimsbüttel alle Einrichtungen mehr oder minder gleich stark geschröpft und sollen noch weiterarbeiten können. „Es geht keiner den Bach runter, wir schließen keine Einrichtung“, sagt Hans-Dieter Ewe (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. Ob da die Spielhäuser, Bauspielplätze und Jugendtreffs so mitmachen, wird sich noch zeigen. Im zuständigen Jugendhilfeausschuss sind sie auch vertreten und haben ein Wörtchen mitzureden. Schon vor Wochen weigerten sich die sogenannten freien Träger, über die Sparbeschlüsse zu reden.
Die Sozialbehörde will hamburgweit zehn Prozent in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sparen – macht für Eimsbüttel etwa 362.000 Euro ab 2013. Hintergrund ist unter anderem der politisch verordnete Trend zu Ganztagsschulen: Da an immer mehr Schulen ein Großteil der Kinder bis in den Nachmittag betreut wird, kann man bei anderen Angeboten sparen – so das Argument. Doch es gibt Kritik an dieser Sichtweise: Zum einen sind nicht alle Kinder ganztags in der Schule. Zudem gibt es grundsätzliche Einwände: „Die freie Entfaltung der Kinder bleibt auf der Strecke. Außerschulische Bildung verliert immer mehr an Bedeutung, obwohl diese ein wichtiger Teil auf dem Weg zum ,mündigen Bürger’ ist“, kritisiert Wolfgang Heimann vom Abenteuerspielplatz Eimsbüttel-Nord.
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