So schmeckt die Welt

Die Autorin Irene Schülert beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Zuwanderung. „Über den Tellerrand geguckt“ ist ihr zweites Buch. (Foto: ar)

Autorin Irene Schülert veröffentlicht Buch über internationale Gastronomen in Eimsbüttel

Von Anne Rose, Eimsbüttel – "Die eigene Lebensgeschichte spiegelt immer auch ein Stück Zeitgeschichte wider. Die Familiengeschichten, die ich in meinem Buch nachzeichne, sind eng verknüpft mit der Veränderung der Esskultur seit den 60er Jahren, manchmal auch mit Geschichten von Flucht und Vertreibung oder großer Neugier auf ein fremdes Land.“
Die Autorin Irene Schülert zeichnet in ihrem zweiten Buch „Über den Tellerrand geguckt“, das in enger Zusammenarbeit mit der Galerie Morgenland entstand, Familiengeschichten über mehrere Generationen nach. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, wie Menschen aus Indien, Italien, der Türkei, China oder Thailand zu einem eigenen Restaurant in Altona oder Eimsbüttel kamen.
In langen Interviews berichteten die Familien der Autorin, die sich seit vielen Jahren in der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel engagiert, ausführlich. „Dabei interessierte mich nicht nur die Zeit nach der Ankunft in Deutschland. Auch die Erfahrungen in den Heimatländern prägen, das wird oft nicht berücksichtigt.“
Sieben Restaurants hat Schülert besucht, nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema Zuwanderung sollten nun die persönlichen Erfahrungen im Vordergrund stehen. „Besonders gefreut hat es mich, wenn ich mehrere Familienmitglieder befragen konnte. Im Restraurant Delhi in Eimsbüttel konnte ich mit Vater und Tochter sprechen. In dieser Familie waren es keine wirtschaftlichen Gründe, die zum Auswandern führten. Das abgeschlossene Studium des Vaters in Indien wurde in Deutschland nicht anerkannt. Er musste hier ganz von vorne anfangen, neu studieren.“
Auch die veränderte Esskultur spiegelt sich in Schülerts Buch. Schweinebraten mit Rotkohl, ein beliebtes Gericht in den 60er Jahren, findet sich heute kaum noch auf einer Speisekarte. „Und wenn, dann mit Honig und Chili“, meint Schülert. „Heute ist die Küche internationaler geworden. Wir fragen doch viel eher ‚Gehen wir zum Italiener oder Griechen?`.“
Auch einige Rezepte haben die Gastronomen verraten. Vom Schokoladenkuchen bis zur Paella hat Schülert alle Gerichte nachgekocht. „Ein Lieblingsgericht habe ich aber nicht, ich genieße vor allem die große Vielfalt.“

Das Buch von Irene Schülert „Über den Tellerrand geguckt. Biografische Skizzen aus der internationalen Küche Hamburgs“ ist im Verlag Dölling und Galitz erschienen. Es kann auch in der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, Sillemstraße 79, erworben werden. Preis: 19,90 Euro.
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