So schick wohnen Azubis

Dieter Petersen (22) ist derzeit einer von acht Bewohnern des „Haus Wegenkamp“ des Berufsbildungswerks (bbw). Der 22-Jährige aus dem Kreis Lüneburg absolviert beim bbw ein Vorbereitungsjahr, anschließend beginnt er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. (Foto: rs)

Wohnhaus für 41 Auszubildende am Wegenkamp in Stellingen eingeweiht

Von Reinhard Schwarz, Stellingen – "Heute haben wir fertig!“ Dieser Ausspruch von Karin Schmalriede von der Hamburger Lawaetz-Stiftung drückt wohl ein Stück Erleichterung darüber aus, dass das „Haus Wegenkamp“ ohne größere Komplikationen eingeweiht werden konnte.
Maximal 41 Auszubildende mit geistigen und psychischen Handicaps können in dem Wohnhaus in Ein-Zimmer-Apartements leben. 3,4 Millionen Euro investierte das Berufsbildungswerk (bbw) in den Bau, die Lawaetzstiftung war maßgeblich an der Planung beteiligt. Das Grundstück gehörte ursprünglich der benachbarten Kreuzkirche.
Tagsüber sind die Azubis im Berufsbildungswerk an der Reichsbahnstraße in Eidelstedt oder vor Ort in Betrieben. Nach Feierabend kehren die Lehrlinge, die aus Niedersachsen oder Schleswig-Holstein stammen, in das Wohnhaus zurück. Zu ihnen gehört auch Dieter Petersen aus Süder-Gellersen im Landkreis Lüneburg. Der 22-Jährige will eine Lehre als Einzelhandelskaufmann beginnen und befindet sich derzeit im Vorbereitungsjahr, das elf Monate dauert. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt er. Das helle Zimmer verfügt über ein Bett, Schränke, eine Kochnische mit Mikrowelle und eine behindertengerechte Dusche. Die Unterkunft zahlt die Bundesagentur für Arbeit.
Noch im November 2010 hatte ein Bauprüfer angesichts der Baugrube erklärt: „Wir bli-cken in den Abgrund“, erzählte Wolfgang Lerche, Geschäftsführer des bbw Hamburg, während der Einweihungsfeier mit milder Ironie eine Anekdote aus der Anfangsphase.
Ganz so schlimm kann es dann doch nicht geworden sein. „Wir sind noch immer begeistert, ein tolles Haus zu übergeben, ein Zuhause auf Zeit, ein liebenswerter Ort“, schwärmte Lerche. Doch manche Nachbarn am Wegenkamp waren anfangs nicht so begeistert. Sie befürchteten den Bau eines „Internats“ und äußerten ihren Unmut über zukünftige Lärmbelästigungen. Durch Gespräche konnten diese Befürchtungen aber ausgeräumt werden, sagte Karin Schmalriede dem Wochenblatt.

Info: Was macht das Berufsbildungswerk?
Das Berufsbildungswerk (bbw) Hamburg in der Reichsbahnstraße in Eidelstedt ist eine Fördereinrichtung, in der junge Menschen mit Handicaps eine qualifizierte Ausbildung absolvieren können. Dazu gehören gewerblich-technische Berufe wie Metallbauer oder Tischler, aber auch Dienstleistungsberufe und kaufmännische Berufe wie etwa Fachkraft für Lagerlogistik. Die Ausbildung wird gefördert von der Bundesagentur für Arbeit. Das bbw Hamburg gehört zu 90 Prozent der Hansestadt, die restlichen zehn Prozent gehören der Hamburger Stiftung Rehabilitation und Integration. Bundesweit gibt es 52 Berufsbildungswerke, die Wohnhäuser betreiben. In Hamburg gab es bisher kein Wohnhaus des bbw.
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