So geht Müllabfuhr

Müllbox am Kranhaken: Solche Abfallbehälter will die Stadtreinigung in Eimsbüttel bauen lassen, damit die rosa Säcke verschwinden. Foto: cv
 
Anwohner Thomas M. vor Müllberg in der Contastraße: „Ratten machen sich schon breit.“ Foto: calvi

Platz für Sammelboxen? Eimsbüttel tut sich schwer

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Im Karoviertel klappt es mit unterirdischen Müllbehältern, in Ottensen entstehen immer mehr dieser Abfallbunker. Nur in Eimsbüttel wird immer noch diskutiert, wie die lästigen rosa Müllsäcke aus dem Straßenbild verschwinden können.
Etwa 5.500 Haushalte in Eimsbüttel stellen Woche für Woche die Säcke an die Straße. Weil die Anwohner das häufig ein paar Tage vor den Abholterminen machen, vermüllen viele Ecken zusehends (das Elbe Wochenblatt berichtete).
Die Stadtreinigung will am liebsten an möglichst vielen Stellen große Sammelbehälter aufstellen lassen – sowohl ober- als auch unterirdisch. So wird es in Ottensen gemacht: Bis Ende März sollen für rund 700 Haushalte Sammelstellen geschaffen werden. Dadurch werden rund 4.800 Säcke Müll nicht mehr an den Straßen abgestellt werden.
Unterirdische Behälter sind laut Stadtreinigung die beste Lösung, da sie eine Menge Säcke schlucken können. Aber mit diesen Behältern tut sich Eimsbüttel schwer. Das Bezirksamt und die Bezirkspolitik haben sich bisher nicht darauf einigen können, wie und wo Standorte genehmigt werden können.
Die Müllentsorger der Stadtreinigung sehen Grundeigentümer in der Pflicht, Platz zu schaffen. Diese weisen indes die Verantwortung häufig zurück. Verzwickte Lage: So lange gilt wohl noch der Rat einer Hausverwaltung: „Die einfachste Lösung wäre, dass die Anwohner sich an die Abholtage halten.“

Beste Lösung: Müllboxen im Untergrund

Stadtreinigung will am liebsten unterirdische Sammelbehälter bauen

Jenifer Calvi, Eimsbüttel

Das Eimsbütteler Müllproblem ist hausgemacht: Viele Anwohner stellen die rosa Müllsäcke ohne Rücksicht auf die Abfuhrtermine einfach an die Straße. Das beklagen viele Leser nach dem Bericht des Elbe Wochenblatts. Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) hat der Eimsbütteler Bezirkspolitik Vorschläge gemacht, wie das Problem gelöst werden kann. Vor allem unterirdische Sammelbehälter, sogenannte Unterflursysteme, gelten als praktisch. Im Interview erklärt SRH-Sprecher Reinhard Fiedler, wie das klappen kann.

EW: Warum ist das Aufstellen der Unterflurbehälter so schwierig?
Reinhard Fiedler: Auf den Privatgrundstücken in Eimsbüttel steht in der Regel kein geeigneter Platz zur Verfügung. Auch kann nicht überall ein Unterflurbehälter eingebaut werden – die Stellen müssen zum Beispiel für die Wagen der Stadtreinigung gut zugänglich sein.

EW: Aber für Neubauten ist eine Müllentsorgung ohne Sack immerhin Pflicht?
Fiedler: Richtig. Grundsätzlich muss hier der Platz für einen ausreichend bemessenen Abfall-Behälterstand vorgesehen werden.

EW: Wenn ich mich als Eigentümer für einen Behälter der Stadtreinigung entscheide, wie weit darf mein Weg dorthin von der Haustür maximal sein?
Fiedler: Unabhängig von der Art des Behältersystems (Oberflur- oder Unterflursystem) nach Möglichkeit nicht länger als 100 Meter.

EW: Lässt ein Hauseigentümer ein Unterflursystem einbauen, müssen Mieter mit einer Umlage auf die Miete rechnen. Welche Kosten sind dann circa zu erwarten?
Fiedler: Dies hängt immer von den anzuschließenden Haushalten, den individuellen Rahmenbedingungen und Baukosten und den durch die Umstellung auf Behälter resultierenden, geänderten Entsorgungsgebühren ab. Ziel ist es aber immer, dass sich die Gebührenbelastung für den angeschlossenen Haushalt möglichst nicht wesentlich verändert.
EW: Können Hauseigentümer zu einer Einrichtung der Unterflursysteme gezwungen werden? Fiedler: Nein.

Gerangel um Flächen

Warum eine Hausverwaltung bisher noch keine Müllbehälter im Untergrund schaffen konnte

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Weg von der Straße, Müll im Untergrund versenken: Klingt recht einfach, die Lösung mit Unterflurbehältern. Ist sie aber offenbar nicht. Im Generalsviertel versucht eine Hausverwaltung schon länger, entweder Mülltonnen anzuschaffen oder einen unterirdischen Müllbunker bauen zu lassen. Beides klappte bisher nicht, weil es komplizierte Regelungen dafür gibt.
„Die Fläche vor unserem Haus wurde vor vielen Jahren von der Stadt quasi ,enteignet’, sie gehört uns also nicht mehr. Auf öffentlichem Grund darf man aber keine Müllboxen aufstellen“, schildert Beate Logar von der Erich Winzer Hausverwaltung das Dilemma. Im Keller seien keine Tonnen unterzubringen, da diese dann über viele Treppenstufen ‘rausgeschafft werden müssten – zu umständlich.
Die Alternative, Unterflurbehälter, scheiterte bisher an mangelnden Flächen: „Der Grund und Boden vor dem Haus herum gehört der Stadt, und hier sperrt sich das Bezirksamt. Abgesehen davon dürfte sich die Installation von Unterflursystemen in einem Altbaugebiet wegen der zahlreichen Leitungen aller Art, die im Boden liegen, schwierig gestalten“, so die Mitarbeiterin.
Das Bezirksamt Eimsbüttel bestätigt, dass öffentliche Flächen bisher nur selten für Unterflurbehälter freigegeben wurden. Der Grund: Es lägen viele Ver- und Entsorgungsleitungen im Boden, daher sei es schwierig, passende Flächen zu finden. Generell würden Lösungen für Müllcontainer aber nicht abgelehnt.
Das Bezirksamt und die Bezirkspolitik haben im Rahmen des Eimsbütteler Pilotprojekts nock keine konkreten Vorschläge, wo in dichtbebauten Altbauvierteln Plätze für Müllcontainer – ober- oder unterirdisch – entstehen können.
So lange gilt der Rat der Hausverwaltung Winzer: „Die einfachste Lösung wäre, dass die Anwohner sich an die Abholtage halten.“

Infos in Kürze
Maße eines Schachts für einen unterirdischen Müllbehälter: Knapp zwei mal zwei Meter, etwa drei Meter tief.

In einen Fünf-Kubikmeter-Behälter passen mehr als 100 Restmüllsäcke.

Kosten für den Bau: Zwischen 7.000 und 17.000 Euro (muss der Hauseigentümer zahlen).

Leerung: zweimal wöchentlich, wöchentlich oder alle 14 Tage.

Stadtreinigung
Tel. 25 76 20 50
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