"Sind Wildtiere allen egal?"

Anwohnerin Verena Hartrott fand in der Parkanlage Am Weiher einen verletzten Erpel. Ihre intensiven Rettungsbemühungen waren vergeblich. Die 33-Jährige ärgert, dass sie von einer Stelle zur anderen verwiesen wurde. „Sind Wildtiere denn allen egal?“, fragt sie. (Foto: fh)

Eimsbüttelerin wollte verletztem Erpel helfen – doch keiner war zuständig

Jede Menge Flaumfedern am Wegesrand, am Ufer des Teiches in der Parkanlage Am Weiher hockt ein blutverschmierter Erpel. Anwohnerin Verena Hartrott hat die verletzte Stockente schnell entdeckt. „Seine Entendame brachte mir die Flaumfedern und streifte sie an meiner Jacke ab“, erinnert sich die Arzthelferin. Der Vogel war nicht mehr in der Lage zu laufen und zu fliegen. Offenbar hatte ihn ein Hund gebissen. Sofort entschloss sich die Eimsbüttelerin zu helfen und informierte den tierärztlichen Notdienst. Dach das war für sie „der Beginn einer traurigen Odyssee“, so die 33-Jährige.
Den ganzen Tag sei sie unterwegs gewesen, wurde von einer Stelle zur nächsten verwiesen. „Sind Wildtiere denn allen egal?“, fragt sich die Vogelliebhaberin. Es sei beschämend, dass „in einer Stadt wie Hamburg innerhalb von drei Stunden kein kompetenter Arzt für eine verletzte Ente da ist“, klagt sie.
Ihre Odyssee: Per telefonischer Bandansage verweist der tierärztliche Notdienst des Tierheims Süderstraße an die Tierklinik Bismarckstraße. Hier erhält sie die Information, die Klinik sei nicht auf Wildtiere ausgerichtet – und wird wieder zurück an den Notdienst verwiesen. Dort sagte man ihr, der Fahrer sei gerade in Bergedorf und sie solle den Erpel bei der Polizei abgeben.
Sie versuchte es dann noch bei der Wildtierstation, erreichte dort aber nur eine Mailbox. Hartrott entschloss sich, den Erpel in die Tierklinik zu bringen. „Wie ein Baby trug ich den verletzten Erpel durch Eimsbüttel“, erinnert sie sich. In der Tierklinik bemerkte ein Mitarbeiter „massive Verletzungen“ und „begann zu überlegen, ob man den Erpel von seinen Qualen erlösen soll“.
Doch der Arzthelferin war ihr junger Gefährte bereits zu sehr ans Herz gewachsen. Mit ihrem medizinischen Sachverstand überlegte sie, ob es nicht die Chance gäbe, die Wunden zu spülen und zu nähen. Sie brachte ihn schließlich ins Tierheim Süderstraße. Als sie am nächsten Tag anrief, erfuhr sie, dass der Erpel gestorben war.
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