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Ein Eimsbütteler Traditionsgeschäft: Gerd Jansen (l.) und Franz Fleischmann haben ihre Leidenschaft für Tabak und Pfeifen zum Beruf gemacht.
 
Stil muss sein: In dem bundesweit bekannten Pfeifendepot an der Methfesselstraße stapeln sich Dosen mit erlesenen Tabaksorten. Franz Fleischmann (l.) und Gerd Jansen haben ihre Leidenschaft für Tabak und Pfeifen zum Beruf gemacht.
Hamburg: Pfeifendepot Jansen |

Gerd Jansen und Franz Fleischmann gehören zu den Tabak-Experten Deutschlands

Da haben sich zwei gefunden, die das Sinnliche und das Handwerk lieben: Gerd Jansen und Franz Fleischmann, beide begeistert von allem rund um Pfeifen, Tabak und die Kultur des Rauchens. Jansen, 72, ist der Gründer des deutschlandweit bekannten Pfeifenladens an der Methfesselstraße. Fleischmann, 41, führt seit vorigen Herbst das Traditionsgeschäft weiter. „Von einem alten Hasen wie Gerd kann ich noch eine Menge lernen“, sagt er über seinen Vorgänger.

Tabakgeschäft seit 1899

Sie sitzen im Souterrain des Gründerzeithauses in Eimsbüttel. Es riecht nach Tabak und Rauch, nach Geschichte und Nostalgie. Eröffnet 1899, dürfte es eine der ältesten Geschäftsadressen Eimsbüttels sein. Von Anfang an war hier ein Tabakladen drin. Jansen hat mal nachgeforscht. „Der Gründer aus der Familie Schoelzl hatte eine Zigarrenproduktion im Heußweg, er hat seine Waren hier verkauft.“ Das Geschäft blieb lange in Familienhand. Jansen selbst übernahm es dann 1971.
Er richtete es nostalgisch ein, mit viel dunklem Holz und stilvollen Regalen. Verkaufstresen, Tische und Stühle suchte er auf Flohmärkten zusammen oder aus dem Inventar von alten Läden. Man kann hier einfach die Zeit vergessen, zwischen all den alten Sachen, bei Pfeife, Tabakqualm und Büchern. „Die Leute sollen sich wohlfühlen, die Zeit soll stehenbleiben“, sagt Fleischmann. Vielleicht nicht das schlechteste Rezept in einer so schnelllebigen Zeit wie unserer. Sie verkaufen nicht nur Tabak, Zigarren und Pfeifen, sondern ein Stück besonderes Lebensgefühl, ein bisschen Ruhe und Gelassenheit.

"Im Moment bin ich der glücklichste Ladenbesitzer der Welt"

Jansen war gelernter Offsetdrucker, ehe er sich ganz seiner Passion widmete. Fleischmann arbeitete als Fernsehjournalist, drehte Geschichtsdokumentationen für Guido Knopp. Doch seit er 2010 eine Pfeife geschenkt bekam, war es um ihn geschehen. Er beschäftigte sich fast nur noch mit allem rund um das Kultstück, suchte nach einer Möglichkeit, diesen Berufstraum zu leben. So traf er auf Gerd Jansen, der sich allmählich zur Ruhe setzen wollte. „Im Moment bin ich wahrscheinlich der glücklichste Ladenbesitzer der Welt, ich fühl mich sauwohl“, sagt Fleischmann.

Vorgestellt: Gerd Jansen

Er ist gebürtiger Bergedorfer, lernte Offsetdrucker, arbeitete als Quartiersmann im Hafen und erfüllte sich 1971 den Traum von einem eigenen Tabakladen. Mehr als 40 Jahre führte Gerd Jansen sein Geschäft an der Methfesselstraße. Nun hilft er einmal pro Woche noch aus und gibt sein Wissen an den Nachfolger weiter. Über die Jahre hat Jansen fast alles gesammelt, was er zu Tabak, Pfeifen und der Kultur des Rauchens in die Finger bekam. In mehreren Räumen im Keller des Geschäftshauses lagert der Fundus für ein Tabakmuseum. Jansen möchte bewahren und weitergeben. Er stammt aus einer sozialdemokratischen Familie, der Vater war Tischler, die Mutter Schneiderin. „Bei uns wurde alles repariert, nicht weggeworfen“, erinnert er sich.

Vorgestellt: Franz Fleischmann

Er ist gebürtiger Münchner, studierte Philosophie und wollte sogar mal ins Kloster gehen. Franz Fleischmann entschied sich aber doch noch um, machte einen Abschluss in Kommunikationswissenschaften und wurde Fernsehjournalist. Zehn Jahre arbeitete er bei einer Produktionsfirma in Süddeutschland, drehte unter anderem Geschichtsdokumentationen fürs ZDF. Vor gut fünf Jahren entbrannte seine Leidenschaft für Pfeifen und Tabak. Fleischmann stellte in kleinen Filmen auf Youtube Tests ein. Über Umwege hörte Jansen davon. Fleischmann selbst sah einen Film über den Hamburger Laden und dachte sich: „Den muss ich mal kennenlernen.“ Nun ist er Inhaber. Wie Jansen hat er ein Faible fürs Handwerkliche: Er arbeitet gebrauchte Pfeifen auf.
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