Sie singen mit politischem Anspruch

Bitte nochmal von vorn: Der Chor der Hamburger Gewerkschafter mit seinem Dirigenten Niels Frederic Hoffmann. (Foto: cvs)

Ein Unikum: der Eimsbütteler Chor der Gewerkschafter

Von Christopher von Savigny, Eimsbüttel – Vorwärts, und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht“: Wenn der Chor der Hamburger Gewerkschafter das Solidaritätslied von Bertolt Brecht anstimmt, schwingt viel Lebensfreude mit – das kann man hören. In der Hamburger Chorlandschaft bildet das rund 40-köpfige Ensemble, das sich einmal wöchentlich im Hamburg-Haus zum Proben trifft, eine Besonderheit: Während sich das Gros der Gesangsgruppen an Klassik, Jazz oder Pop versucht, schmettert der Gewerkschaftschor mit Inbrunst Lieder über Frieden, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Antifaschismus. „Singen mit politischem Anspruch“, nennt es Mitglied Silvia Kardel.
Gegründet hat sich die Eimsbütteler Vokalgruppe vor mittlerweile 32 Jahren – eine Zeit, in der Polit- und Gewerkschaftschöre nur so aus dem Boden schossen. Damals beherrschten die chilenische Militärjunta und der Angriff der Sowjets auf Afghanistan die Schlagzeilen, man diskutierte über SALT-II und Atomkraft – ein heute wieder brandaktuelles Thema. „Ich war schon damals politisch interessiert“, erzählt Inka Manthey, eines der Gründungsmitglieder des Gewerkschaftschors. Heute sehe man die Sache aber nicht mehr so verbissen. „Wir wollen niemanden bekehren, sondern Spaß und Freude vermitteln“, sagt sie. Regelmäßig treten die Hamburger Choristen bei politischen Anlässen auf: So sang man vor dem Berliner Reichstag gegen Atomkraft, ebenso am AKW Krümmel. Selbstverständlich durfte auch der Auftritt am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, nicht fehlen. Über das Programm wird demokratisch abgestimmt, Chorleiter Niels Frederic Hoffmann übt mit seinen Sängern die Stücke ein und komponiert eigene Chorsätze. Eines der Glanzstücke des Ensembles ist ein vertonter Atomunfall-Einsatzplan. Eine choreigene Musikcombo sorgt mit Saxophon, Klarinette, Flöte, Gitarre und Pauke für instrumentelle Begleitung.
Die Mitglieder sind im Schnitt 40 bis 50 Jahre alt und kommen aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Neue Männerstimmen, insbesondere Tenöre, sind herzlich willkommen. Infos: www.chgg.de.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.