Sie erzählen von Träumen auf Zelluloid

Joachim Grabbe (l.) und Georg Möller sind Zeit- und Augenzeugen der Kinokultur vor mehr als 50 Jahren. Ihre Erlebnisse und Erinnerungen brachten sie in die Ausstellung ein. (Foto: rs)

Zeitzeugen berichten über Eimsbütteler Kino-Kultur vor mehr als 50 Jahren

Reinhard Schwarz, Eimsbüttel – Sie sind Augenzeugen im wahrsten Sinne des Wortes: Eimsbütteler, die noch die Kinokultur vor dem Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren erlebt haben. Für eine Ausstellung schilderten viele von ihnen ihre Erlebnisse in den 1930er bis 1950er Jahren.
Einer der Zeitzeugen ist Georg Möller (83): „Ich ging damals als kleiner Junge zwei Mal die Woche ins Kino, zum Beispiel in den Emelka-Palast in der Osterstraße. Das war ein Riesenkino, für Eimsbüttel etwas zu groß. Mein Vater hat mich als Vierjähriger mitgenommen und ich sah dort Filme mit Shirley Temple und Pat & Patachon (dänische Stummfilm-Komiker, d. Red.). Am meisten beeindruckt hat mich ‚Das Veilchen am Potsdamer Platz’, ein Schmalzfilm aus den 30er Jahren. Die Hauptdarstellerin Rotraut Richter wollte ich damals unbedingt heiraten, aber sie starb schon 1947.“ Der Emelka-Palast brannte während der Bombennächte 1943 aus. In den 1950er Jahren besuchte der junge Möller die Kinos „Thalia Lichtspiele“, „Kursaal“ und „Capitol“.
Auch Joachim Grabbe (71) war Zuschauer im Emelka-Palast. Für ihn bedeutete Kino in den 50er Jahren auch einen Aufbruch. „James Dean war das Freiheitsidol: Wir waren ja eine unterdrückte Generation, die nur Befehl und Gehorsam kannte. In den 50er Jahren kam der Rock’n’Roll auch in die Kinos wie etwa mit dem Film ‚Die Saat der Gewalt’ mit der Musik von Bill Haley.“ Jeans und Rollkragenpullover erregten den Unwillen der Eltern. „Die haben die Jeans gehasst.“
Aber auch Grabbe, eine Kinogänger-Generation jünger als Möller, sah die Pat & Patachon- und „Dick & Doof“-Filme. „Ich ging so ab 1950 mit Freunden und einigen Mädchen ins Kino. Man musste schon eine Stunde vor Beginn da sein.“ Geguckt wurden die Actionfilme der damaligen Zeit: „Tarzan“, Westernfilme mit „Tom Mix“, Piraten- sowie Mantel- und Degenfilme wie der „Rote Korsar“ oder die „Drei Musketiere“. Mit dem Aufkommen des Fernsehens in den 1960er Jahren setzte das Kinosterben ein. Zuletzt wurde 2008 in Eimsbüttel der Grindel-Palast geschlossen.
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