Sie erinnern an Ausgegrenzte

Bauten das Museum in der Ida-Ehre-Schule mit auf: Eden, Fran, Arezoo, Paula (v.l.). Foto: cv
Hamburg: Ida-Ehre-Schule |

Ida-Ehre-Schule: Schüler gestalten Ausstellung zu NS-Zeit und Judenhass

Von Carsten Vitt. Schlomo und Leopold Schwarzschild waren Eimsbütteler Jungs. Mit ihren Eltern und Großeltern wohnten sie im Erdgeschoss des Hauses Schlankreye 17. Die Nachbarn: Überwiegend Gewerkschafter, Sozialdemokraten, „rotes Milieu“, so wie der Vater der Familie Schwarzschild auch. Eine Eigenschaft machte sie im Deutschland der 1930er-Jahre erst zu Außenseitern, dann zu Verfolgten: Schwarzschilds waren jüdisch. Von der Familie überlebte nur Schlomo, der 1939 nach Palästina auswanderte.
Die Geschichte des Jungen und seiner Familie steht im Mittelpunkt eines neuen Museums: Schüler und Lehrer der Ida-Ehre-Schule geben mit den Biografien der Schwarzschilds Einblicke in Hetze und Verfolgung in Eimsbüttel während des Naziregimes. „Wir wollen beispielhaft zeigen, wie Ausgrenzung geschieht“, sagt Lehrer Oliver Thron.
Die frühere Jahnschule spielt da selbst eine Rolle: Ende der 1920er-Jahre eröffnet, wurde sie bald zu einer Vorzeigeschule der Nationalsozialisten, in der Nazilehrer Kinder für den Kriegseinsatz und den völkischen Kampf vorbereiten wollten. Juden, Kommunisten, Oppositionelle, alle, die anders als das Nazi-Ideal waren, wurden ausgegrenzt. Im Museum gibt es allgemeine Informationen über die frühere Jahnschule und die Schicksale jüdischer Schüler. In einer Art Wohnzimmer können sich Besucher mit einzelnen Biografien der Familie Schwarzschild auseinandersetzen. In einer Vitrine stehen Trauerkerzen, Bilder aus dem Familienalbum und Stolpersteine.
Gut zwei Jahre haben 20 Schüler aus der Mittelstufe an der Gestaltung des Museums gearbeitet – von der Idee, wie man welche Aspekte des Themas vermittelt, bis hin zu praktischen Dingen wie Regale aufbauen und Wände streichen. Sie recherchierten im Schularchiv, trugen Fakten zusammen und haben eng mit der Familie Schwarzschild zusammengearbeitet. Die Schüler sprachen mit der Witwe von Schlomo, die in Haifa lebt.
Der Kontakt mit den letzten Hinterbliebenen hat die Schüler tief beeindruckt. „Sehr bewegend“, sagt zum Beispiel Eden zu dieser Erfahrung. Paula ergänzt: „Wir haben so viel dazu gelernt und Sichtweisen bekommen, die man vorher nie hatte.“ Was für Lehren lassen sich ihrer Meinung aus der Geschichte ziehen? Eden: „Es kann noch viel daran gearbeitet werden, dass heute alle Menschen respektiert werden.“

Museum/Archiv

Die Ausstellung in der Ida-Ehre-Schule zeigt anschaulich jüdische Schicksale und Mechanismen der Ausgrenzung. Sie richtet sich an alle, die sich für Nationalsozialismus und Verfolgung interessieren. Besonders geeignet ist das Museum für Schulklassen. Demnächst ist geplant, dass Schüler der Ida-Ehre-Schule Führungen übernehmen. Zudem können Lehrer und Interessierte im Archiv recherchieren und Material sammeln. Für 5. und 6. Klassen gibt es eine Extra-Unterrichtseinheit, die Inge Mandos, frühere Geschichtslehrerin, und Erika Hirsch (Volkshochschule) gemeinsam konzipiert haben.

Museum[Archiv]
Ida-Ehre-Schule
Bogenstraße 36
20144 Hamburg
E-Mail: museum.archiv@idaehreschule.de
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