Schweden statt Eimsbüttel

Abschied nach gut 13 Jahren: Ragna Riensberg vom Radioladen in Eimsbüttel geht in den Ruhestand, Hans-Werner Kienitz übernimmt mit einem neuen Verein.
 
Hier wird Radio gemacht: Im Schneideraum der Welle Isebek im Eppendorfer Weg.
Hamburg: Stadtteilradio Eimsbüttel |

Ragna Riensberg vom Radioladen geht in den Ruhestand – aktive Senioren machen weiter

Wechsel bei einem wichtigen Stadtteilprojekt: Ragna Riensberg, Gründerin des Radioladens, geht. Ein neuer Verein übernimmt die Aufgaben.
Ragna Riensberg (63) nennt man heute wohl eine Netzwerkerin. Sie bringt viele Menschen aus Schulen, Vereinen und Stadtteilinitiativen zusammen, um in der Nachbarschaft etwas auf die Beine zu stellen. Als sie vor gut 13 Jahren damit anfing, war so etwas noch ungewöhnlich. „Als Außenstehende standen sie da in Schulen zum Beispiel meist vor verschlossenen Türen“, erzählt die ehemalige Volks- und Realschullehrerin. Eine Zusammenarbeit von Lehrern mit Sozialpädagogen? „Das war unüblich.“ Heute ist das an Ganztagsschulen selbstverständlich.
Riensberg hatte zu Beginn ein einfaches Büro – und eine nicht so einfache Aufgabe: Nachbarschaftsprojekte in Eimsbüttel und Umgebung anstoßen. Dafür gab es sie, mit einer Stelle für einen Bezirk mit 250.000 Einwohnern. Bis heute ist aus ihrer Arbeit im Rahmen der Agentur „Nachbarschaft und Schule in Eimsbüttel“ eine Menge entstanden. Der Radioladen im Eppendorfer Weg. Die sommerlichen Konzerte im Kaifu-Park. Viele Kooperationen zwischen Schulen, Vereinen und aktiven Nachbarn – vom Schüler bis hin zum Rentner.
Riensberg geht nun in den Vorruhestand – ihre Arbeit übernehmen andere. Vor gut einem Jahr haben aktive Senioren aus dem Viertel den Verein „Knie“ gegründet (steht für Kultur und Nachbarschaft in Eimsbüttel).

Für Jugendarbeit gibt es kein Geld mehr, für Senioren schon

Wesentlicher Unterschied zur bisherigen Arbeit: Der Radioladen, der bis 2010 mit Kindern und Jugendlichen arbeitete, wird nun von Senioren betrieben. Für die Jugendarbeit gab es vom Bezirk und anderen Financiers kein Geld mehr – für Senioren wird noch was locker gemacht. Vereins-Vorsitzender Hans-Werner Kienitz und seine Mitstreiter sind voller Tatendrang. Alle arbeiten ehrenamtlich, für den Radioladen gibt es lediglich eine Grundförderung. Es ist noch mehr geplant: ein Erzählcafé, Kunstausstellungen, monatlich trifft sich bereits eine Gruppe zum Singen.
Riensberg ist zufrieden, dass zumindest ein Teil dessen, was sie aufgebaut hat, weiterläuft. „Die planten hier ihr Traumhaus, ich mein Altersheim“, sagt sie lachend. Ab Februar ist sie weg: Dann lebt sie mit ihrem Mann in ihrem Haus an der schwedischen Küste.

Verein „Knie“
Der gemeinnützige Verein Knie betreibt nun den Radioladen und Stadtteiltreff im Eppendorfer Weg 127. Alle zwei Monate machen die Senioren eine Radiosendung, wöchentlich ist ein offenes Treffen für Interessierte - donnerstags ab 13 Uhr. Geplant sind zudem ein Erzählcafé und eine Ausstellung, in der Menschen aus dem Viertel für sie persönlich wichtige Gegenstände und Erinnerungen beschreiben.
Seit Januar ist „Knie“ auch Mieter des Radioladens, für die Stadtteilkulturarbeit gibt es jährlich 22.500 Euro vom Bezirksamt Eimsbüttel. Das Seniorenradio läuft gut: „Wir sind eine gute, selbstbewusste Gruppe. Alles, was wir tun, machen wir aus eigenem Antrieb“, sagt Vorstand Hans-Werner Kienitz.
❱❱ www.knie-eimsbuettel.hamburg
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