Schulhof wird zum Garten in der Stadt

Haben schon mal die Gartengeräte herausgeholt: Stefan Behr und seine Schüler. (Foto: Calvi)
Hamburg: Schule Sternschanze |

Grundschule Sternschanze plant einen Platz, an dem sich Schmetterlinge und Co. zu Hause fühlen

Jenifer Calvi, Sternschanze

Grün ist nicht gleich grün: „Immergrüne Sträucher vermitteln zwar den Eindruck, sie wären etwas für Klima und Artenvielfalt, aber das stimmt nicht. Wir brauchen viel mehr heimische Pflanzen, um Insekten und Kleintieren einen Lebensraum anzubieten.“ Das sagt Stefan Behr, Umweltbeauftragter der Ganztagsgrundschule Sternschanze. Er ist nicht nur Lehrer für Erst- bis Viertklässler, die in der Schanze wohnen, sondern auch Sprecher der Hamburger Regionalgruppe des Vereins „NaturGarten“.
Damit der große Pausenhof der Schule an der Altonaer Straße künftig nicht nur zum Toben und Bolzen da ist – was auch wichtig ist, keine Frage – und zusätzlich als Lehrmittel in Sachen Bio-Unterricht eingesetzt werden kann, greifen Lehrer, Kinder und Eltern ab Juni zu Hacke, Harke und Spaten. Ihr Ziel: Neben dem Ausbringen von Saatgut für Blumenrasen und Wiesenmischungen auch reichlich Saatgut für Wildblumen einsäen. Rund 1.000 Quadratmeter Fläche soll begrünt werden. „Etwa 2.500 Pflanzen von über 200 unterschiedlichen Arten wollen wir im Laufe der Sommermonate auf unserem Schulhof ansiedeln“, erklärt Projekt-Initiator und Leiter Stefan Behr. „Im Herbst folgen dann noch ein Weidenlabyrinth sowie fast 2.000 Blumenzwiebeln.“

Tulpen gab es bislang nur im Lehrerzimmer


Immerhin waren es die Tulpenzwiebeln, die den engagierten Lehrer überhaupt erst auf die Idee eines insektenfreundlichen Schulgeländes brachten. „Mich nervte es im Frühjahr total, dass im Lehrerzimmer Tulpen und Narzissen im Topf standen, aber draußen von den robusten Frühblühern keine Spur zu finden war. Das soll nicht noch einmal vorkommen.“
Das Projekt „naturnaher Schulhof“ wird aus einem Sondertopf der Schulbehörde finanziert sowie vom Schulverein und Sponsoren wie der NUE (Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung) und dem Messefonds Karolinenviertel – geackert wird aber allein auf Freiwilligenbasis.
Die Kinder werden später Dienste übernehmen, beispielsweise das regelmäßige Wässern oder Unkrautjäten. Die Bio-Kurse „können mit einem Naturgarten und verschiedenen Lebensraum-Ecken sehr viel interessanter und praxisnäher gestaltet werden“, so Behr. Das ist wichtig, denn: „Gerade hier in der Stadt entfremden sich immer mehr Menschen von der Natur.“ Schulkinder wachsen im Schanzenviertel in häufig sehr engen Wohnverhältnissen auf. „Natur erleben sie allenfalls gelegentlich am Wochenende.“ Viele könnten eine Wespe nicht von einer Biene unterscheiden, sie kennen den Unterschied zwischen einer Buche und einer Eiche nicht oder liefen schreiend vor einem Frosch davon. „Wenn wir nicht wollen, dass künftig eine Generation heranwächst, die von der Einzigartigkeit unserer Pflanzen und Tiere keinen blassen Schimmer mehr hat, müssen wir Erwachsene schleunigst handeln“, so Behr.

Helfer gesucht


In drei Abschnitten wird der Schulhof zum naturnahen Gelände. Geplant sind Beete mit heimischen Pflanzen, eine Wildblumenwiese und ein Naturerlebnisraum mit heimischen Wildgehölzern und Klettermöglichkeiten. Wer mithelfen möchte oder Gartengeräte abgeben kann, meldet sich per E-Mail:ganztagsgrundschule-
sternschanze@bsb.hamburg.de (Herr Behr).
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Petra Weinstein aus Harburg | 03.06.2017 | 20:39  
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