Schüsse und Schutzgeld

Schüsse als Einschüchterung? In der Stellinger Bar Highlight ballerten zwei Männer in die Decke. (Foto: paulwip / pixelio)

Schießerei in Stellinger Lokal: Zwei Brüder vor Gericht

Reinhard Schwarz, Stellingen – Ein Zeuge mit beträchtlichen Erinnerungslücken und zwei schweigende Angeklagte: Die Wahrheitsfindung um die Schießerei in einem Stellinger Lokal im November 2012 gestaltet sich recht schwierig.
In der Nacht vom 24. auf den 25. November betreten zwei Männer das Lokal „Highlight“ an der Kieler Straße, ziehen ihre Pistolen und schießen um sich. Die Kugeln gehen in die Decke, treffen den Kühlschrank und die Bar. Menschen in der gut besuchten Bar kommen nicht zu Schaden. Die Polizei nimmt als mutmaßliche Täter die Brüder Samin (47) und Saadettin T. (45) fest, die seitdem in Untersuchungshaft sitzen. Die Anklage lautet auf schwere räuberische Erpressung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Doch vor Gericht schweigen die beiden Angeklagten, die zur Tatzeit in der Luruper Hauptstraße ein anderes Lokal namens „Euro-Pub“ betrieben.
Auch das Opfer, Faruk B., früherer Inhaber des „Highlight“, das mittlerweile einen neuen Namen trägt, ist nicht sehr gesprächig. Hatte er in der Tatnacht am Telefon mit der Polizei noch von „Schutzgelderpressung“ gesprochen, will er von diesen Behauptungen mittlerweile nichts mehr wissen. „Ich kann mich nicht erinnern“: Das wird Faruk B. an diesem Tag noch häufiger sagen.
Immer wieder versucht der Richter, den Zeugen mit dem Polizeiprotokoll aus jener Nacht zu konfrontieren. Demzufolge habe ein Polizeibeamter den Barinhaber am Telefon gefragt, ob jemand verletzt worden sei. „Nein“, habe Faruk B. geantwortet, „die haben in die Luft geschossen, die wollen mir Angst machen, die wollen mir drohen, dass ich Schutzgeld zahle.“ Doch auch an diese Äußerungen kann sich der Zeuge „nicht erinnern“.
Die Angeklagten scheinen sich nur mäßig für den Prozessverlauf zu interessieren. Während Samin T. sich häufig zum Zuschauerraum umdreht, um die dort versammelten rund 30 Freunde und Verwandte zu grüßen, verfolgt sein jüngerer Bruder das Geschehen ohne emotionale Regung. Schließlich kommt es zu einer bemerkenswerten Geste zwischen Opfer und Angeklagten: Faruk B. umarmt im Hinausgehen aus dem Gerichtssaal Samin T., gibt Saadettin T. die Hand. Eine Geste der Versöhnung oder der Unterwerfung? Der Prozess soll noch bis September fortgesetzt werden.
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